Ärzte Zeitung, 05.11.2008

TV im Blick

"Ich kann diese Krankheit nicht zu Ende denken"

FRANKFURT/MAIN (Smi). "Ich hatte nie Engelsgesänge, bei mir war es immer zappenduster", sagt Gritt über ihre mehr als hundert Tode.

Die 41-Jährige leidet seit neun Jahren am Brugada-Brugada-Syndrom, einer seltenen, meist autosomal-dominant vererbten Kardiomyopathie. Obwohl sie nach außen hin völlig gesund erscheint, kann sie jederzeit den plötzlichen Herztod erleiden. Ein implantierter automatischer Defibrillator (ICD) soll sie davor bewahren. Über Gritts Schicksal berichtete die ARD-Dokumentation "Ich übe das Sterben" am Montagabend.

Der Aufbau des Films erinnerte an andere: Ein vom Tode bedrohter Patient trotzt dem Leben eine letzte sportliche Höchstleistung ab. Trotzdem ging "Gritts Wettlauf mit dem Herztod", so der Untertitel von Frank Diederichs Reportage, unter die Haut. Das lag vor allem an der ehrlichen Sprache seiner Protagonistin, deren großes Ziel, die Bewältigung eines Iron-Man-Laufes, den Spannungsbogen der Doku formt. Und Mitleid ist hier kein Thema.

3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen - ein Jahr trainiert Gritt auf den Wettkampf ihres Lebens hin. Verrückt, denkt man da, und das ist es auch in den Augen ihres Arztes. Doch der will, der kann ihr den Sport nicht verbieten. "Leben", sagt er, "hat immer ganz viel mit Lebensqualität zu tun." Und die wäre für Gritt ohne den Sport nicht mehr vorhanden.

"Ich kann diese Krankheit nicht zu Ende denken", erklärt Gritt einmal. Zu Ende heißt: endgültig tot sein. Mit ihrer Erkrankung könnte sie noch 20 Jahre oder länger leben und möglicherweise als Rentnerin noch einen Marathon laufen. Aber sie könnte auch morgen sterben, letztmalig und endgültig. Angst vor dem Sterben hat sie nicht - "das kenne ich". Aber die Ungewissheit danach, die bereitet ihr Angst.

Man könnte einwenden, warum die ARD ausgerechnet ein so ungewöhnliches Schicksal in den Mittelpunkt einer Doku stellt, wo sich doch weit mehr Zuschauer etwa im Los einer Krebskranken wieder gefunden hätten.

Dabei bleiben die wesentlichen Fragen am Ende eines Lebens doch stets dieselben. Und die absolut ungeschminkte Art, in der Gritt ihre Antworten gab, wirkt auf jeden Fall nach.

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