Ärzte Zeitung, 02.10.2009

Anfassen? Ausdrücklich erwünscht!

Mitmachen und Erleben - das Motto des Odysseum in Köln, eine Mischung aus Forschungszentrum und Freizeitpark. Seuchensimulatoren und eckige Melonen sollen die Weiterentwicklung der Medizin- und Wissenschaftswelt zeigen.

Von Anne-Kathrin Keller

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Seuche hautnah im Kölner Odysseum: Ein Simulator zeigt, wie schnell sich eine Krankheit weltweit verbreiten kann.

Foto: akk

KÖLN. Zwei zwölf-jährige Jungen stehen vor dem Seuchensimulator des Kölner Erlebnismuseums Odysseum. Sie entwerfen ihre eigene Pandemie: Auf einer Urlaubsreise infiziert sich ein Teilnehmer einer internationalen Reisegruppe unbemerkt. Es handelt sich um eine bisher unbekannte Grippeform. In den folgenden Tagen steckt sich die gesamte Gruppe an. Bei ihrer Rückkehr breitet sich die Krankheit in ihren Heimatländern aus. Die Weltkarte auf dem Bildschirm zeigt den Jungen, wie sich ihre Grippe in wenigen Wochen über die ganze Welt verteilt. Eine Tafel oberhalb des Simulators erinnert an die Relevanz des Themas - sie zeigt die Verbreitung und Gefahr der Schweinegrippe.

Das Odysseum stellt wissenschaftliche Fakten und Entwicklungen anschaulich und interaktiv dar. Anfassen, Erleben und Mitmachen ist in den verschiedenen Themenwelten des Museums ausdrücklich erwünscht. "Es ist sehr wichtig, dass die Entwicklung in den technischen Bereichen und der Medizin für Kinder, Jugendliche und auch ältere Menschen verständlich aufbereitet wird", sagt Professor Thomas Krieg, Direktor der Klinik Dermatologie und Venerologie der Universität zu Köln. Er hat den Teilbereich Medizin mitgestaltet. Die Initiatoren des Museums haben die Schau gemeinsam mit Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten entwickelt.

Ein paar Schritte vom Seuchensimulator entfernt nimmt ein Besucher eine Pistole in die Hand und schießt an einem Gerät mit dem Namen "Gen-Kanone" mit DNS auf Melonen. Getroffene Melonen ändern ihre Form. Sie werden eckig und können so leichter gestapelt und transportiert werden. "Die Besucher sollen verstehen, dass die moderne Entwicklung in der Medizin große Fortschritte gebracht hat, aber dadurch auch Probleme entstanden sind", sagt Krieg. Ihm ist es ein besonderes Anliegen, dass die Besucher des Odysseums über die reine Gerätemedizin hinaus die moralische Dimension der Forschung verstehen. In einem anderen Raum der Ausstellung pumpt ein Mädchen Blut durch ein Körpermodell.

Dabei liest es die Namen der einzelnen Arterien und Venen und sieht wie das Herz funktioniert. Die Dauerausstellung will durch ihre interaktive Konzeption besonders junge Menschen für Technik begeistern und Physik, Chemie, Biologie und Medizin lebensnah darstellen. Das Odysseum ist eine Mischung aus Forschungszentrum und Freizeitpark. Das Abenteuer führt über 200 Erlebnisstationen - von der Entstehung des Lebens über moderene Technik in Medizin und anderen Forschungsfeldern bis hin zu komplexen Phänomenen wie Globalisierung und Klimawandel.

Der Bildschirm des Seuchensimulators hat sich inzwischen fast komplett rot gefärbt. Die Epidemie hat sich über die ganze Welt verbreitet. Die Jungen vor dem Computer staunen, welche Kettenreaktion der einzelne Urlauber in ihrem Seuchen-Szenarium ausgelöst hat. Sie lesen die Infos zur Schweinegrippe. Das Ausstellungskonzept scheint aufzugehen.

Odysseum

Das Odysseum ist als sogenanntes "Science-Center" konzipiert und wurde im April diesen Jahres eröffnet. 30 Millionen Euro hat das Museum gekostet. Davon finanzierte die Hälfte die Sparkasse Köln/Bonn, die andere Hälfte das Land NRW. Träger ist die SK-Stiftung CSC - Cologne Science Center, eine Stiftung der Sparkasse Köln/Bonn. Auf 5500 Quadratmetern Experimentierfläche gibt es die Themenwelten Leben, Erde, Cyberspace, Menschen, Kinderstadt, Galerie der Welt und einen Außen-Erlebnisbereich.

www.odysseum.de

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