Ärzte Zeitung, 21.10.2009

Selbstjustiz: Franzose entführt aus Rache deutschen Arzt

Von Pete Smith

Ein deutscher Arzt wurde entführt, nach Frankreich verschleppt und vor einem Gerichtsgebäude ausgesetzt. Hintergrund: der Tod einer 15-Jährigen vor 27 Jahren.

FRANKFURT/MAIN. Dr. Dieter K. wurde 1995 von einem Pariser Strafgericht in Abwesenheit wegen fahrlässiger Tötung zu 15 Jahren Haft verurteilt. Dem Kardiologen warfen die Richter vor, 1982 seiner damals 15-jährigen Stieftochter Kalinka Bamberski in Lindau eine tödliche Injektion verabreicht zu haben. Kalinkas leiblicher Vater André Bamberski behauptete, K. habe das Mädchen betäuben wollen, um es zu vergewaltigen. Nach dem Urteil lehnte die deutsche Justiz eine Auslieferung des Arztes mit der Begründung ab, dass die Todesursache des Mädchens nicht zweifelsfrei festzustellen sei. Ein Prozess in Deutschland war 1982 aus eben diesem Grunde eingestellt worden.

Jetzt wollte sich Kalinkas Vater rächen und das Verfahren auf seine Weise beschleunigen. Er ließ den 74-jährigen K. entführen und unweit des Justizgebäudes im elsässischen Mülhausen gefesselt aussetzen. K. wurde nach einem kurzen Klinikaufenthalt verhaftet.

Ein anonymer Anrufer hatte die Polizei auf den gefesselten Arzt hingewiesen. Vieles deutete sofort auf André Bamberski hin. Vor Journalisten gestand jener dann seine Tatbeteiligung ein. Seine spektakuläre Rache könnte am Ende dennoch scheitern. Dann nämlich, wenn K., der wegen Vergewaltigung vorbestraft ist, von den französischen Behörden nach Deutschland abgeschoben wird.

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