Ärzte Zeitung, 05.11.2010

Eindeutige Entscheidung für das Leben

Über Organspenden auf Partys diskutieren - mit dieser Idee hat der Verein Junge Helden Erfolg. Auch Gründerin Claudia Kotter verdankt ihr Leben einer gespendeten Lunge.

Von Pete Smith

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Flagge zeigen: Die Organspende-Aktion von "Junge Helden".

© Junge Helden

"Mein Name ist Claudia Kotter, ich habe eine Geschichte, die ich erzählen möchte." So beginnt eines der bewegendsten Bücher dieses Herbstes. Es ist die Lebensgeschichte einer heute 30-jährigen Frau, der als Kind prophezeit wurde, keine 18 Jahre alt zu werden: "Gute Nacht, bis morgen" von Anke Gebert.

Claudia Kotter leidet an der seltenen Autoimmunkrankheit Sklerodermie. Allen Prognosen zum Trotz erreicht sie die Volljährigkeit, danach lebt sie sogar mehrere Jahre in den USA. Im Alter von 21 folgt die nächste erschütternde Prognose: Sie habe nicht mehr lange zu leben, wenn ihr nicht bald eine neue Lunge transplantiert werde.

Als fünf Jahre später ein geeignetes Spenderorgan gefunden ist, glauben die Ärzte nicht mehr, dass sie die Transplantation überleben kann. Doch die junge Frau drängt zur Operation - und überlebt wieder.

Noch während Claudia Kotter auf eine Spenderlunge wartete, gründete sie 2003 einen Verein, der Jugendliche dazu animieren soll, selbst Organspender zu werden: "Junge Helden". Dieser Zusammenschluss ist so ganz anders als die vielen anderen Initiativen, die für Organspenden werben.

In Berlin, wo Claudia Kotter zusammen mit ihrer jüngeren Schwester lebt, werden Partys organisiert, auf denen für eine aktive Entscheidung pro oder contra Organspende plädiert wird. Denn es geht nicht primär darum, einen Organspenderausweis zu unterschreiben (was die Initiatoren natürlich begrüßen), sondern Farbe zu bekennen und sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen.

Zu den prominenten Unterstützern des Vereins zählen der Musiker Tom Schilling, der Dortmunder Fußballtrainer Jürgen Klopp, Sportdirektor Fredi Bobic vom VfB Stuttgart sowie die Schauspieler Minh-Khai Phan-Thi, Benno Fürmann und Jürgen Vogel. Letzterer gewann beim Prominenten-Special der Sendung "Wer wird Millionär" 125 000 Euro, die sich die "Jungen Helden" mit dem Kinder-Hospiz Sternenbrücke teilen durften.

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"Gute Nacht bis morgen", Claudia Kotter, Blumenbar ISBN 978-3-936738-81-0

© Blumenbar

Claudia Kotter wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren und ist in Mainz und Wiesbaden aufgewachsen. Ihre Krankheit wurde schon früh erkannt. Aber Sklerodermie ist unheilbar, nur ihr Fortschreiten kann verlangsamt werden. Das verhärtende Bindegewebe der Haut hat im Gesicht Claudia Kotters Spuren hinterlassen. Unter ihrer jugendlichen Ausstrahlung scheint gleichsam die Maske des Alters. "Ich bin glücklich, weil ich lebe", schreibt Claudia Kotter in ihrer Biografie. Mit ihrer neuen Lunge fühle sie sich frei, was sie allein ihrem Spender verdanke.

Ihre Dankbarkeit motiviert sie, auch im geschwächten Zustand für ihre Ziele zu kämpfen. Unermüdlich macht sie sich stark für das Anliegen, möglichst viele Menschen zu potenziellen Organspendern zu machen -entweder durch ihr aktives Bekenntnis oder auch mit Hilfe einer Gesetzesänderung.

Ihr Arzt Dr. Till Kinkel sagt: "Ich kenne niemanden, der konstant in schwierigen Zeiten so viel Lebensfreude und Lebenswillen ausstrahlt, der dem Leben im sozialen Netz so viel Bedeutung gibt - und dem Leben an sich."

Anke Gebert: Gute Nacht, bis morgen. Claudia Kotter erzählt die Geschichte ihres Lebens Blumenbar, 19,90 Euro, ISBN 978-3-936738-81-0

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