Ärzte Zeitung, 20.10.2010

Warum landet jede zweite Kartoffel im Abfallcontainer?

Wie halten wir es mit der Ernährung? Die ARD beleuchtet alles rund ums Essen in einer Themenwoche.

Von Anja Krüger

KÖLN. Die Deutschen werfen Jahr für Jahr ungeheure Mengen an Lebensmitteln weg. Der Nahrungs-Müll füllt 500 000 Ladungen von Lastzügen, die in eine Reihe gestellt von Berlin bis Peking reichen würden. Pro Kunde vernichtet der Handel jährlich 50 Kilogramm an Lebensmitteln. Global gesehen hungert jeder sechste Mensch.

Und nicht nur deshalb erschüttert die gigantische Verschwendung. Auch das Klima leidet: Produzierte die Menschheit nur halb so viel Nahrunsgmüll, würden genauso viele Treibhausgas-Emmissionen eingespart wie mit der Stilllegung jedes zweiten Autos.

Warum landet jede zweite Kartoffel im Abfallcontainer?

Der Einzelhandel vernichtet im Durchschnitt pro Kunde und Jahr 50 Kilogramm essbare Lebensmittel. Felicitas Schneider vom Wiener Institut für Bodenkultur untersucht Mülltonnen von Haushalten und Supermärkten.

© WDR / Schnittstelle Thurn GbR

In der investigativen Reportage "Frisch auf den Müll - die globale Lebensmittelverschwendung" zeigt der Kölner Filmemacher Valentin Thurn die Ursachen und Wirkungen der gigantischen Fehlproduktion. Die ARD strahlt den Film am Mittwoch um 23.30 Uhr im Vorfeld der Themenwoche "Essen ist Leben" aus.

Thurn geht der Frage nach, warum jede zweite Kartoffel, jeder zweite Kopfsalat und jedes fünfte Brot nicht den Verbraucher erreichen, sondern in den Abfallcontainern der Lagerhallen und Märkte landen. Er lässt Manager, Politiker und Psychologen zu Wort kommen. "Wir zeigen auch, was der Verbraucher gegen die Verschwendung tun kann", sagt Thurn.

Vielen ist nicht klar, dass sie etwa Joghurts auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums essen können, denn das sagt nur etwas über die perfekte Konsistenz und andere Produktmerkmale. "Am besten aufmachen, riechen, probieren", rät er. Rezepte für die Resteverwertung und Tipps zur Müllvermeidung gibt es auch auf einer Internetseite, die Thurn gemeinsam mit Kollegen als Teil einer weltweiten Kampagne gegen Lebensmittel-Verschwendung ins Netz gestellt hat.

Die ARD-Themenwoche "Essen ist Leben" läuft vom 25. bis zum 29. Oktober. Daran beteiligt sind nahezu alle Teile des Senderverbundes, einschließlich des Kinderkanals. Ein Schwerpunkt ist das Thema gesunde Ernährung. In der Talkshow von Anne Will am kommenden Sonntag werden die Gäste ab 21.45 Uhr über die Frage "Currywurst statt Tofu-Burger - Bio-Wahn ade?" diskutieren. Um 23.35 Uhr ebenfalls am Sonntag strahlt der Sender den Film "Super Size Me - Warum sind die Amis so fett?" (USA 2004) aus.

Unterhaltsam mit dem Thema auseinandersetzen wird sich der populäre Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar mit der großen Quizshow "Wie ernährt sich Deutschland?" am Donnerstag, dem 28. Oktober ab 20.15 Uhr. Auch in den dritten Programmen und Radiosendern kreisen viele Dokumentationen, Filme und Shows um Themen wie Bulimie, Nahrungsmittel aus dem Labor, Geschmacksverstärker und Hunger.

Tipps zur Müllvermeidung unter www.tastethewaste.com.

Die ARD bietet unter www.themenwoche.ard.de Diskussionen und Hintergrundinformationen an.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »