Ärzte Zeitung, 19.12.2011

Mut machende Bilder über das Tabuthema Sterben

In einem Jahreskalender zeigt die Deutsche PalliativStiftung die eindrucksvollsten Bilder eines Fotowettbewerbs, der das Sterben zum Thema macht.

Mut machende Bilder über das Tabuthema Sterben

 Das Deckblatt des PalliativKalenders 2012.

© Deutsche Palliativ Stiftung

FULDA (eb). Insgesamt 244 kunstvolle und sehr ausdrucksstarke Bilder zum Thema "Sterben" sind von Hobby- und Gelegenheitsfotografen für einen bundesweit ausgeschriebenen Fotowettbewerb der Deutschen PalliativStiftung eingeschickt worden, aus denen der Deutsche PalliativKalender für das Jahr 2012 gestaltet wurde.

Der renommierte deutsche Künstler Franz Erhard Walther suchte die zwölf Kalenderbilder unter einem künstlerischen Zusammenhang aus. Eine dreiköpfige Fachjury wählte dann unter allen Einsendungen die Gewinner der beiden Kategorien "Menschen" und "Stillleben".

"Sterben ist ein Thema, das in der Gesellschaft nach wie vor gerne verdrängt wird. Auch die Sterbebegleitung durch Hospizhelfer, Palliativfachkräfte, Palliativmediziner und viele andere wird nicht in der breiten Öffentlichkeit thematisiert", erläutertet Thomas Sitte, Vorsitzender der Deutschen PalliativStiftung, die Motivation für das Projekt.

Arbeit von Palliativ- und Hospizeinrichtungen stärker ins Bewusstsein rücken

Die Medien propagierten das Bild des gesunden und aktiven Menschen bis ins hohe Alter. "Dabei wissen eigentlich alle, dass es jeden Menschen in jedem Alter treffen kann", sagt Sitte. "Und trotzdem haben Schwerstkranke und Sterbende nach wie vor keine große Lobby."

Es gehe bei dem Projekt auch darum, die wichtige Arbeit aller Menschen in Palliativ- und Hospizeinrichtungen stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken und um zugleich zu zeigen, dass Betroffene mit einer guten Palliativversorgung zufrieden und schmerzfrei sterben können.

Der PalliativKalender 2012 ist im Buchhandel und über die DeutschePalliativ Stiftung, Am Bahnhof 2, 36037 Fulda, erhältlich. E-Mail: buero@palliativstiftung.de
Der Kalender kostet 29 Euro

[19.12.2011, 19:15:19]
Lutz Barth 
"Sterben" ist sehr wohl ein Thema in der Gesellschaft!
Dass das „Sterben“ in unserer Gesellschaft nicht thematisiert wird, ist eine Feststellung, die einer Differenzierung bedarf, zumal sich immerhin seit Jahren Ethikräte mit der Problematik intensiv beschäftigt haben und erkennbar die Medizin hiervon unberührt bleibt. Des Volkes Meinung ist hinreichend klar und es geht zuvörderst um die Frage eines frei verantwortlichen und selbstbestimmten Sterbens, auch gerade in den Situationen, in denen der schwersterkrankte Patient seinem individuellen Leid zu entfliehen gedenkt. Dass hierbei die Palliativmedizin einen ethischen Sonderweg einzuschlagen gedenkt, ist spätestens mit der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen hinreichend klar geworden, so dass in der Gesellschaft intensiv um eine Anschlussfähigkeit der grundlegenden ethischen Positionen geworben wird. Zugleich haben zwei Intensiv- resp. Palliativmediziner Publikationen eröffnet, die das Problem des Sterbens durchaus in die Mitte unserer Gesellschaft geholt haben und insofern kann keine Rede davon sein, dass die Gesellschaft mit den zentralen Fragen des Sterbens nicht konfrontiert wird. Problematisch dürfte vielmehr der Umstand sein, dass die Palliativmedizin und die Hospizbewegung sich dem Ruf ausgesetzt sehen, in gewisser Weise einen Beitrag zur Klerikalisierung des Sterbens zu leisten, ohne hierbei in letzter Konsequenz das Selbstbestimmungsrecht ernst zu nehmen. Hierauf aufmerksam zu machen, erscheint mir persönlich besonders dringlich zu sein und insofern haben die Schwersterkrankten durchaus eine Lobby, wenn es darum geht, das Selbstbestimmungsrecht bis zum Ende des sich neigenden Lebens zu wahren. Dass allerdings die Palliativmediziner und Hospizler den letzten Weg des Patienten und Sterbewilligen aus ethischen Gründen nicht mitgehen können (oder wollen), ist das eigentliche Kernproblem und muss nach wie vor kritisch hinterfragt werden. Mit einer solchen einseitigen Debatte leistet leider auch die Palliativmedizin einer Tabuisierung des frei verantwortlichen Sterbens Vorschub und zwar gerade vornehmlich in den Reihen, wo es um eine arztethische Entscheidung geht. Die Folgewirkungen bestehen u.a. darin, dass einerseits die BÄK sich dazu veranlasst sieht, ein ethisches Zwangsdiktat zu verabschieden und dass andererseits Palliativmediziner sich geradezu genötigt fühlen dürften, der ethischen Grundintention der Charta jedenfalls öffentlich nicht zu widersprechen, droht ihnen doch Ungemach. Die Gesellschaft hingegen ist wesentlich weiter, als die Palliativmediziner und Hospizler vermuten: Mehr als Dreiviertel der bundesdeutschen Bevölkerung plädiert für eine Liberalisierung der Sterbehilferegeln und hätte kein Problem damit, wenn der Arzt ggf. bei einem freiwilligen Suizid ärztlich mitwirkt. Wo also liegt das Problem, könnte zynisch nachgefragt werden? Des Volkes Meinung ist hinreichend klar und insofern erscheint es hohe Zeit, dass auch die Palliativmedizin und die Hospizbewegung sich nicht selbst mit ihren Zielen derart überhöht, dass allein der Glaube hieran „Berge zu versetzen mag“, während demgegenüber das Selbstbestimmungsrecht der Patienten (und im Übrigen die Gewissensfreiheit der Ärzteschaft) marginalisiert wird. Vielmehr ist ein offener Umgang auf intraprofessioneller Ebene anzumahnen, denn die Gesellschaft dürfte entschieden sein! zum Beitrag »

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