Ärzte Zeitung online, 09.03.2012

Ex-Chefarzt gesteht: Habe meine Frau ertränkt

MÜNSTER (dpa). Grausiges Geständnis: Ein früherer Chefarzt aus dem Münsterland hat vor Gericht zugegeben, seine psychische kranke Ehefrau in der Badewanne ertränkt zu haben. Mehr als ein Jahr lang hatte er einen Unfall vorgetäuscht.

"Ich wollte mit ihr gemeinsam die Welt verlassen. Da habe ich sie unter Wasser gedrückt", sagte der 54-Jährige am Freitag vor dem Landgericht Münster.

Eine misstrauische Nachbarin hatte der Polizei nach vielen Monaten den entscheidenden Hinweis gegeben.

Der Angeklagte hatte die Nachbarin, ebenfalls Ärztin, nach seiner Tat zur Hilfe gerufen. Sie wandte sich aber erst mehr als ein Jahr später an die Polizei.

Widersprüche wecken Misstrauen der Nachbarin

"Er brachte nur Wortfetzen hervor: "Meine Frau! Ich war doch nur zehn Minuten Brötchen holen! In der Badewanne! Leblos in der Badewanne!"", erinnerte sich die Zeugin vor Gericht. Später ließen die Widersprüche ihr keine Ruhe.

"Er hatte gesagt, er habe versucht, sie im Wasser zu reanimieren. Aber seine Kleidung war trocken." Auch andere Details hätten nicht gepasst.

Selbsttötung geplant

Vor Gericht sagte der wegen Totschlags angeklagte Mediziner, er sei über die Erkrankung seiner Frau verzweifelt gewesen. Ihre einst florierende Frauenarztpraxis habe man verkaufen müssen, seine gut bezahlte Stelle in der Klinik habe er gekündigt.

Der Arzt behauptete, seine Frau sei bereits bewusstlos gewesen, als er ins Bad gekommen sei. Sie habe sich kaum gewehrt, als er sie tötete.

Seinen Plan, sich direkt nach der Tat mit Schlaftabletten umzubringen, habe er nicht umgesetzt, weil plötzlich und unangemeldet ein Gerichtsvollzieher am Haus des verschuldeten Paares aufgetaucht sei.

Auch der Gerichtsvollzieher wurde misstrauisch. "Ein komisches Gefühl hatte ich schon - als ob ich ihn überrascht hätte", sagte er als Zeuge. "Aber als in der Todesanzeige dann "tragischer Unfall" stand, wollte ich keine falschen Verdächtigungen in die Welt setzen."

Frau war wochenlang im Bett

Die Tat war offensichtlich der Schlusspunkt einer seit Jahren kriselnden Ehe. Das kinderlose Paar war schon seit dem Medizinstudium zusammen. Materiell stimmte zunächst alles: Gutes Einkommen, zwei teure Autos vor dem eigenen Haus, eine volle Praxis.

Dennoch schwelten Konflikte. "Sie konnte Sätze sagen, die mir in die Weichteile gingen." Er habe sich immer wieder herabgesetzt gefühlt. Sie habe Kinder gewollt, er nicht, berichtete der Angeklagte.

Schließlich sei seine Frau psychisch krank geworden. Sie habe zwischen tiefer Depression und Euphorie geschwankt und wochenlang nicht mehr das Bett verlassen.

Er habe sich in Chatrooms geflüchtet. Das Haus verwilderte. "Der einzige regelmäßige Besuch war der Gerichtsvollzieher", brachte der Richter das Ende auf den Punkt.

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