Ärzte Zeitung, 20.02.2013
 

Patricia Jung

Allgemeinärztin mit Fliegerleidenschaft

Eine falsche Information vor Jahren hat dazu geführt, dass Patricia Jung nicht Pilotin wurde - sondern Ärztin. Seither bildet die Medizin für sie aber die Brücke zur Fliegerei.

Von Dirk Schnack

Wenn die Flugmedizin den Praxis-Alltag bestimmt

Flieger-Nostalgie pur: Das Modell der legendären Ju 52 steht in Bad Segeberg in der Praxis der Allgemeinmedizinerin Patricia Jung.

© Dirk Schnack

BAD SEGEBERG. Patricia Jung wollte schon immer hoch hinaus. Pilotin war ihr erklärter Berufswunsch. Stattdessen wurde sie Allgemeinmedizinerin - verbindet aber die Leidenschaft für das Fliegen mit ihrem Beruf.

Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Fliegerärztin nutzte Jung die Chance, so viele Flüge wie möglich zu machen. Als besonders faszinierend empfand sie das Fahren mit dem Ballon.

Auch vom Segelfliegen schwärmt sie: "Es ist ein tolles Gefühl, wenn man in einem Segelflugzeug sitzt. Man ist völlig losgelöst und fühlt eine Form von Freiheit, die man schwer beschreiben kann."

In anderen Flugzeugen hat sie schon fast die ganze Welt bereist, war unter anderem in Peking, Kapstadt und Los Angeles. Selbst steuern darf sie allerdings noch nicht: Die Prüfung zum Pilotenschein wird sie erst in diesem Jahr ablegen.

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Patricia Jung will bald den Pilotenschein machen.

© Dirk Schnack

Dennoch engagiert sie sich in ehrenamtlichen Funktionen für ihr Hobby. Seit 2010 ist sie Schatzmeisterin im Deutschen Fliegerarztverband (DFV), für den sie unter anderem an der Novellierung der Arbeitshilfe zur Durchführung von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen bei fliegendem Personal mitgewirkt hat.

Seit Kurzem ist sie zudem im Vorstand des europäischen Fliegerarztverbandes (ESAM) als Director for Communication für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. In dieser Funktion wirbt sie: "Wir brauchen Nachwuchs, ein Drittel der Verbandsmitglieder in Deutschland ist älter als 60 Jahre."

Genügend Nachfrage nach fliegerärztlichen Leistungen ist nach Angaben der Allgemeinmedizinerin aus Bad Segeberg vorhanden. Neben den Flugtauglichkeitsuntersuchungen gehört die Transport- und Reisemedizin in den Fachbereich der Flugmedizin.

Dass sie selbst eine solche Untersuchungsstelle wegen des noch fehlenden Pilotenscheins bislang nicht führen durfte, hält sie nicht vom Ehrenamt ab: "Man kann nicht alles in Euro messen. Ich mache das, weil ich die Fliegerei liebe."

Die für das zeitraubende Ehrenamt erforderliche Unabhängigkeit hat sie erst, seit sie rein privatärztlich tätig und damit in ihren Sprechstunden unabhängiger ist. "Seitdem bin ich deutlich zufriedener mit den Rahmenbedingungen meiner beruflichen Tätigkeit", sagt Jung.

Sie ist zwar rund um die Uhr für ihre Patienten da - deren Zahl ist aber geringer als in Zeiten ihrer kassenärztlichen Tätigkeit, und mit der Abrechnung nach GOÄ kann Jung die Medizin praktizieren, die ihr für die Patienten als geeignet erscheint, wie sie betont.

Pilotenschein für 2013 geplant

Die ehrenamtliche Tätigkeit gibt Jung die Möglichkeit, sich täglich mit dem Thema Fliegen zu beschäftigen, und sie ist für die regelmäßigen Treffen der Verbände auch oft selbst in der Luft.

Warum aber fliegt die Ärztin noch nicht selbst? Ganz einfach: Als alleinerziehende Mutter mit eigener Praxis und einem starken ehrenamtlichen Engagement fehlte bislang einfach die Zeit, um die hohen Anforderungen für den eigenen Pilotenschein zu erfüllen.

Das soll sich in diesem Jahr endlich ändern. In 2013, hofft Jung, wird sie die Prüfung ablegen können.

Ob sie nach bestandener Prüfung auch einmal selbst die legendäre Ju 52, die als Modell neben anderen in ihrem Sprechzimmer steht, steuern kann, ist ungewiss.

Fest steht, dass sie ihren heutigen Beruf trotz der Leidenschaft für das Fliegen nie bereut hat. Dass sie keine Pilotin wurde, liegt an einer falschen Information im Jugendalter.

"Ich hatte mal gehört, dass man mit Plomben nicht Pilot werden darf. Das habe ich damals nicht weiter hinterfragt", sagt Jung. Tatsächlich war dieses Verbot längst abgeschafft, als sie einen Beruf wählen konnte.

Schlüsselerlebnis am Straßenrand

Dann kam ein Schlüsselerlebnis, das sie als junge Frau die Medizin wählen ließ: Sie fand einen verunglückten Wagen mit einem Todesopfer am Straßenrand. "Hinterher habe ich mich natürlich gefragt, wie ich hätte helfen können, wenn das Opfer noch am Leben gewesen wäre. Das musste ich wissen", erinnert sich die Ärztin.

Schon als junge Medizinerin schaffte sie die Verbindung zu ihrem Hobby. Sie wurde angestellte Ärztin bei einer Organisation, die im Auftrag von Versicherungen Patienten weltweit zurück nach Deutschland transportierte.

"Aber ich wollte gerne Fliegerärztin werden und dafür brauchte ich einen Facharzt", erzählt die Ärztin.

Sie entschied sich für die Allgemeinmedizin und hat diesen Schritt bis heute nicht bereut. 2005 legte sie ihre Prüfung zur Fachärztin ab, ein Jahr später die für die Zusatzbezeichnung Flugmedizin.

Seitdem hätte sie Flugtauglichkeitsuntersuchungen vornehmen dürfen - wenn sie denn einen Pilotenschein gehabt hätte. Mit einer Gesetzesänderung wird dies ab April auch ohne den Pilotenschein möglich sein.

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