Ärzte Zeitung, 10.06.2013
 

Sachsen-Anhalt

Hochwasser schweißt Ärzte zusammen

Die Hochwasserlage in Sachsen-Anhalt spitzt sich weiter zu. 50 Arztpraxen mussten schließen, doch die Versorgung klappt: Die Ärzte helfen sich gegenseitig. Den Kliniken droht jedoch ein gravierendes Problem.

Von Petra Zieler

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Sandsäcke gegen die Flut: Bundeswehrsoldaten sind wie hier bei Magdeburg unermüdlich im Einsatz.

© imago/epd

MAGDEBURG. Nachdem die Elbe am Sonntag mit 7,46 Meter ihren bislang höchsten Stand in Magdeburg erreicht hat, zieht sie sich nun schneller als erwartet zurück. Doch Entwarnung gibt es nicht. Montagnachmittag wurde im Stadtteil Cracau die Zwangsevakuierung angeordnet. Die Stadt bleibt im Ausnahmezustand.

"Wir sind auch in den kommenden Tagen auf mehr Patienten eingestellt", so Dr. Jan Hülsemann, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Magdeburg. Dort, ebenso wie im Olvenstedter Klinikum, waren bereits am Wochenende Patienten aus den evakuierten Pfeifferschen Stiftungen und aus Pflegeheimen der Stadt aufgenommen worden.

Hülsemann: "Aus den Heimen sind 13 Patienten zu uns gekommen, die beatmet werden müssen, die meisten anderen haben nicht unbedingt medizinische Indikationen, sind aber hilfsbedürftig. In dieser Notsituation versorgen wir natürlich auch sie."

Der Ärztliche Direktor rechnet damit, dass insbesondere in Notunterkünften untergebrachte Menschen verstärkt medizinische Hilfe benötigen werden.

Obwohl etliche Mitarbeiter des Uniklinikums selbst vom Hochwasser betroffen sind, hat die Klinikleitung zusätzliches Pflegepersonal gewinnen und die Rufbereitschaft verstärken können.

Probleme zeichneten sich bei der Bereitstellung von Blutkonserven ab. "Wir suchen dringend Hilfe", ruft der Ärztliche Direktor zu Blutspenden auf.

Die meisten Blutspendetermine müssen in den Hochwassergebieten ausfallen, und das Blutspendeaufkommen ist dort extrem gesunken. Jetzt werden Bürger in Niedersachsen und Bremen gebeten, bei der Sicherung der Blutversorgung zu helfen.

Selber für die Patienten kochen

"In Sachsen-Anhalt mussten bislang 50 Ärzte ihren Praxisbetrieb einstellen oder können nur noch eine Notversorgung gewährleisten. So der Stand Montagmittag", sagt Mathias Tronnier, geschäftsführender Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA).

Ob sich jedoch jeder betroffene Vertragsarzt gemeldet hätte, sei in Anbetracht der für viele auch persönlich katastrophalen Situation fraglich. Dennoch seien Versorgungsprobleme nicht bekannt. "Wir wissen von unseren Kreisstellensprechern, dass sich die Vertragsärzte vor Ort unbürokratisch und kollegial helfen."

Patienten von Kollegen werden mitbehandelt, notwendige Hausbesuche übernommen. Zudem werde die medizinische Versorgung evakuierter Patienten in Notunterkünften sicher gestellt.

"Trotz ständiger Einsätze sind die Mitarbeiter aller Rettungsdienste hoch motiviert", sagt Reinhard Doberenz, Regionalvorstand der Johanniter-Unfallhilfe für Magdeburg, Altmark, Börde und Harz. Er spricht auch für seine Kollegen von DRK oder Malteser Hilfsdienst.

Die Johanniter seien mit mehr als 20 Krankentransport- und Rettungswagen sowie Behindertenfahrzeugen rund um die Uhr im Einsatz. Mit Feldküchen und Feldkochherden versorgen sie darüber hinaus Einsatzkräfte und Helfer.

Nachdem eine Catering-Firma im überfluteten Stadtteil Magdeburg-Rothensee ihren Betrieb einstellen musste, hat Dennis Neumann, Chef der "Ambulanten Pflege mit Herz" Magdeburg, sofort entschieden: "Dann pflegen wir unsere Patienten nicht nur, dann kochen wir auch für sie."

[11.06.2013, 15:55:33]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Ei verbibbsch nochema"! (Verdammt nochmal!)
Was ist die Sächsische Landesärztekammer (LÄKS) bei der Flutkatastrophe doch eine ungefragt große bürokratische Hilfe? Demnach sollten Ärzte bei „nassen oder verschlammten Unterlagen“ zunächst prüfen, ob es nicht doch lohnt, sie aufzubewahren. Sofern sie tatsächlich nicht mehr verwendbar seien, sollten Ärzte dies ausreichend dokumentieren, zum Beispiel mit Fotos und mittels Zeugen. „Wir empfehlen auch, die Berufshaftpflichtversicherung über die Umstände zu informieren“, hieß es aus der Kammer. Dieser Tipp ist besonders 'hilfreich' für die Kolleginnen und Kollegen, denen gerade Hab und Gut samt Praxis wegschwimmen. Eine Entsorgung dieser Patientenunterlagen könne lt. LÄKS trotz eines Wasserschadens „nur die letzte Konsequenz sein“. Ärzte sollten die Unterlagen dafür an ein Fachunternehmen übergeben. Sie müssten dafür Sorge tragen, dass die Vernichtung der Patientenunterlagen datenschutzgerecht erfolge, so die Landesärztekammer.
http://www.slaek.de/media/dokumente/2013/Beschaedigte_Patientenakten.pdf

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Patienten-Unterlagen und -Akten, die definitiv zerstört, unkenntlich und unleserlich sind, bedürfen bei ihrer Entsorgung dennoch einer datenschutzrechtlichen Beaufsichtigung. Statt dass freundliche Mitarbeiter/-innen der LÄKS s e l b s t die Sache in die Hand nehmen würden und mit ihren e i g e n e n Aktenschreddern den Flutopfern helfen könnten, sollen diese auch noch zusätzlich Entsorgungsunternehmen bezahlen. Hilft man so seinen eigenen Mitgliedern in der Not, von deren Beiträgen man finanziert wird?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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