Ärzte Zeitung online, 25.07.2017
 

Neue Studie

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden.

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Wer andere für sich putzen lässt, fühlt sich glücklicher, so eine Studie.

© Robert Kneschke / Fotolia

Vancouver. Haushaltspflichten wie Kochen und Putzen machen einer Studie zufolge tendenziell glücklicher - wenn jemand anders sie für einen erledigt. Menschen, die andere etwa für das Putzen ihrer Wohnung bezahlen und sich damit sozusagen "Zeit kaufen", betrachten sich demnach selbst als deutlich zufriedener als solche, die das nicht tun.

Das berichten Forscher um Elizabeth Dunn von der University of British Columbia in Vancouver in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). "Geld zu benutzen um Zeit zu kaufen, kann ein Stoßdämpfer gegen Zeitmangel sein und so Glück fördern", berichten sie.

Das Team hatte mehr als 6000 Menschen aus den USA, Dänemark, Kanada und den Niederlanden befragt. Die Teilnehmer hätten unterschiedliche Hintergründe, hieß es. Auch Millionäre waren darunter. Es machte aber keinen Unterschied, wie viel Geld die Menschen verdienten oder wie viel sie für eine Haushaltshilfe ausgaben - wer sich Zeit kaufte, fühlte sich zufriedener.

Trotzdem täten viele Menschen das nicht, auch wenn sie es sich leisten könnten, berichteten die Forscher. So gab knapp die Hälfte der 818 befragten Millionäre an, dass sie kein Geld ausgäben, um Haushaltspflichten an andere Menschen zu übergeben. Das könne kulturelle Gründe haben oder am Geschlecht liegen. So hätten viele Frauen immer noch das Gefühl, sie müssten Haushaltpflichten selbst erledigen - auch wenn sie es sich leisten könnten, andere dafür zu bezahlen.

Topics
Schlagworte
Panorama (31023)
Personen
Robert Kneschke (165)
[26.07.2017, 10:40:57]
Thomas Georg Schätzler 
Millionäre bevorzugt - "Money makes the World go around" [Cabaret 1972]?
Diese Original-dpa-Meldung geht zurück auf die Publikation: "Buying time promotes happiness" (Kaufen von Zeit fördert Glücklichkeit) von Ashley V. Whillansa, Elizabeth W. Dunn et al. in
PNAS [Proceedings of the National Academy of Sciences], the official journal of the US National Academy of Sciences
http://www.pnas.org/content/early/2017/07/18/1706541114

Signifikanz, Relevanz und Repräsentativität dieser Studie sind trotz Befragung von angeblich 6.000 Probanden aus den USA, Dänemark, Kanada und Niederland jedoch äußerst dürftig.

1. Sie übersieht z. B. völlig, dass Haushaltspflichten wie Kochen und Backen durchaus sinnstiftend, freude- und glücklich machend sein können. Zahlreiche Hobby-Köchinnen und -Köche können davon ein Lied singen.

2. Wenn von 6.000 Befragten 818 Millionäre sind, also einen Anteil von 13,63 Prozent darstellen, besteht ein erheblicher "Bias" mit fehlerhaften Schlussfolgerungen bei einer tendenziös nicht-repräsentativen Stichprobe.

3. Wenn "nervige" Pflichten wie Putzen, Wäsche waschen, Kochen an Dritte delegiert werden, gehört zu einer in sich logisch-schlüssigen Studie, dass das damit verbundene "Unglück" bei den diese unangenehmen Arbeiten Ausführenden ebenso untersucht und erörtert wird.

Damit entlarvt sich die populistische "Signifikanz" der Studienautoren als vordergründig behavioristisches, oberflächliches und wortreiches Publizieren ohne wissenschaftliche Substanz:
["Significance - Despite rising incomes, people around the world are feeling increasingly pressed for time, undermining well-being. We show that the time famine of modern life can be reduced by using money to buy time. Surveys of large, diverse samples from four countries reveal that spending money on time-saving services is linked to greater life satisfaction. To establish causality, we show that working adults report greater happiness after spending money on a time-saving purchase than on a material purchase. This research reveals a previously unexamined route from wealth to well-being: spending money to buy free time."]

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

[Cabaret ist ein US-amerikanisches Film-Musical unter Regie von Bob Fosse aus dem Jahre 1972]


 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »