Ärzte Zeitung online, 21.02.2018

Vor Gericht

Medizinstudent und Terrorist?

Ein 30-jähriger Medizinstudent soll versucht haben, Kindersoldaten zu akquirieren und eine Synagoge anzugreifen.

Medizinstudent und Terrorist?

Die Staatsanwaltschaft ermittelt: Ein Würzburger soll für den IS Anschläge geplant haben.

© Stockwerk-Fotodesign / stock.adobe.com

MÜNCHEN. Er soll einen Anschlag auf eine Synagoge in Berlin geplant und ein Kind misshandelt haben, um ihn zum Kindersoldaten zu drillen: Ein Würzburger Medizinstudent syrischer Abstammung steht seit Dienstag als mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor dem Oberlandesgericht in München.

Nach Überzeugung der Anklage hatte der 30-Jährige dem Sohn seiner Partnerin Videos vorgeführt, "die zeigten, wie andere Kinder für den IS kämpften, auf andere Menschen schossen und selbst erschossen wurden". Ziel sei es gewesen, den Siebenjährigen für das Gedankengut des IS empfänglich zu machen und als Kämpfer zu gewinnen. Dazu soll er dem Kind mit einem Holzstock auf den Bauch geschlagen haben. Er habe "unter völliger Missachtung der ihm überlassenen Fürsorge aus einer rohen und gefühllosen Gesinnung heraus" gehandelt, sagte Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller.

"Ungläubige" Opfer als Ziel

Um einen Anschlag auf eine Synagoge in Berlin vorzubereiten, soll sich der Angeklagte die Anleitung zum Bau einer Bombe aus dem Internet heruntergeladen haben. Zudem habe Abdulhadi B. mehrere Bekannte zu Selbstmordanschlägen für den IS aufgefordert – er habe Taten mit "möglichst vielen Opfern unter den aus seiner Sicht Ungläubigen" gewollt, erklärte der Staatsanwalt.

Abdulhadi B. äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen, kündigte aber an, er werde sich selbst "aktiv verteidigen". Der Mann muss sich wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorgruppe, Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen verantworten. Abdulhadi B. war 2012 mit einem Visum nach Deutschland eingereist. (dpa)

Topics
Schlagworte
Panorama (32510)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

O-Saft senkt das Gicht-Risiko - und hält schlank

Vom Saulus zum Paulus: Galten Fruchtsäfte einst als gesunde Getränke, verbannen heute sogar manche Schulen die süßen Säfte. Forscher brechen jetzt eine Lanze für Orangensaft. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »

Prä-Op-Leistungen - Und wer zahlt jetzt das Labor?

Wenn eine Leistung in der anderen enthalten ist, kann sie nicht gesondert abgerechnet werden. Diese Regelung greift unter anderem beim präoperativen Labor. Die Laborreform ändert daran nichts. mehr »