Ärzte Zeitung online, 05.04.2018

Synovia-Flüssigkeit

Rätsel um Fingerknacken scheint gelöst

Seit Jahrzehnten rätseln Forscher, was das charakteristische Geräusch beim Fingerknacken auslöst. Eine mathematische Analyse liefert nun neue Hinweise.

Rätsel um Fingerknacken scheint gelöst

Und knack!

© Daniel Karmann / dpa / picture alliance

BERLIN. Was verursacht die charakteristischen Geräusche beim Fingerknacken? Forschern ist es gelungen, eine Theorie zu untermauern, nach der kleine Gasbläschen in der sogenannten Synovia-Flüssigkeit im Spalt zwischen den Gelenkknochen der Grund für das Knacken sind.

Das Gas ist normalerweise in der zähen Gelenkschmiere gelöst, wie Chandran Suja von der Stanford Universität (Kalifornien) und Abdul Barakat von der École Polytechnique in Palaiseau (Frankreich) im Fachjournal "Scientific Reports" erläutern.

Beim Auseinanderziehen entsteht demnach zunächst ein Unterdruck und es perlen Gasbläschen aus – ähnlich wie beim Öffnen einer Flasche Sprudel.

Springen die Gelenkflächen auseinander, steigt der Druck plötzlich, wie Chandran Suja erklärt. In der Folge verkleinerten sich die Gasbläschen rasant, was wiederum zu Druckschwankungen führe. "Das ist das Geräusch, das wir hören." Zusammen mit Barakat berechnete Suja die möglichen Druckschwankungen mithilfe eines mathematischen Modells.

Bis zu 83 Dezibel könne das Knacken laut sein, erklären die Forscher. Danach verkleinerten sich die Blasen langsam weiter, das Gas werde wieder in der Synovia-Flüssigkeit gelöst – "ohne ein Geräusch zu machen", wie Suja sagt. Dieser Vorgang könne rund 15 bis 20 Minuten dauern.

Ob es schädlich für die Gelenke ist, seine Finger knacken zu lassen, beantwortet die neue Rechnung nicht. Die schlechte Studienlage lasse aber durchaus die Schlussfolgerung zu, dass es sich nicht um ein allzu großes Problem handele.

"Wir hätten vermutlich bereits bemerkt, wenn Menschen, die ihre Gelenke knacken lassen können, häufiger Probleme mit diesen Gelenken haben", sagte die Orthopädin Caroline Werkmeister, Leiterin des Athleticums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. (dpa)

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