Ärzte Zeitung online, 22.11.2018

Diesel-Abgase

Was Europas Metropolen gegen Luftverschmutzung tun

Smog und schlechte Luft gefährden die Gesundheit der Bewohner. Deshalb sperren viel Städte Abgas-Sünder im Straßenverkehr aus. In vielen europäischen Metropolen sind die Regeln strikter als in Deutschland.

Was Europas Metropolen gegen Luftverschmutzung tun

Autos Stoßstange an Stoßstange: Ein altbekanntes Bild in Städten.

© Ralf Gosch / stock.adobe.com

BERLIN. Fahrverbote – das ist in Deutschland für viele ein Reizwort. Hierzulande ordnen immer mehr Gerichte Fahrverbote für ältere Diesel an.

In Hamburg sind Einschränkungen auf zwei Streckenabschnitten schon in Kraft, unter anderem in Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Bonn und Essen sollen Verbote kommen.

Selbst ein Teilstück einer Autobahn ist betroffen: Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen bezog in seinem Urteil ausdrücklich die Autobahn A40 mit ein, was zu dicker Luft in der Politik führte.

Zahlreiche europäische Metropolen kämpfen indes schon seit Jahren hartnäckig gegen Luftverschmutzung. Hier sind weitgehende Fahrverbote oft längst an der Tagesordnung. Eine Umfrage zeigt, zu welchen Mitteln Großstädte im Ausland greifen. (dpa/ths)

Paris

In der französischen Hauptstadt sind die Regelungen im Kampf gegen Abgase sehr streng. Schadstoff-Plaketten für Autos sind Pflicht. Dieselautos mit Erstzulassung vor 2001 und Benziner mit Baujahr vor 1997 dürfen in der Woche tagsüber nicht mehr überall fahren.

Ab Mitte 2019 wird es noch strikter: Dann dürfen die alten Autos gar nicht mehr im Großraum Paris fahren. Konkret geht es um das Gebiet, das von der Autoroute 86 eingeschlossen ist. Der äußere Autobahnring umschließt die Stadt und den Kranz etlicher Vororte.

Paris schafft zudem vor der Stadt große Parkplätze, um die Menschen zu animieren, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu fahren. Auf längere Sicht gehen die Pläne von Bürgermeisterin Anne Hidalgo noch weiter: Geht es nach ihr, soll das historische Zentrum der Hauptstadt in einem Fußgängerbereich umgewandelt werden.

Der Plan betrifft die ersten vier Arrondissements der Metropole. In diesen Bezirken liegen berühmte Touristenattraktionen wie die Kathedrale Notre-Dame, das Louvre-Museum, das Centre Pompidou oder die malerischen Seine-Inseln Île de la Cité und Île Saint Louis.

Rom

Was Fahrten in die Stadtzentren angeht, gibt es in Italien klare Regeln. In Rom zum Beispiel braucht es dafür eine Genehmigung, die nur Anwohner bekommen können und die sie kaufen müssen.

Aber auch in anderen Teilen des Landes gelten strenge Vorschriften: Norditalien hat alten Diesel-Autos in der kalten Jahreshälfte den Kampf angesagt. Seit Oktober bis Ende März gelten im Vergleich zu anderen Wintern verschärfte Fahrverbote im Piemont, der Lombardei, in Venetien und Emilia-Romagna.

Auch wenn kein Schadstoff-Alarm besteht, müssen Altfahrzeuge der Schadstoffenklasse 3 und älter an Werktagen tagsüber in der Garage bleiben. Durch die Ausweitung der Fahrverbote sind in diesem Winter nach Schätzungen der Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ 1,1 Millionen Autos mehr betroffen.

Brüssel

Die belgische Metropole hat einen mehrjährigen Plan aufgestellt, um die Luftqualität langfristig zu verbessern. Seit Anfang des Jahres gilt für sehr alte Diesel mit der Schadstoffklasse Euro 1 - oder ganz ohne Euronorm - im Großraum Brüssel ein Fahrverbot. Bis 2025 sollen die Regeln von Jahr zu Jahr verschärft werden.

Ab 2022 sind den Plänen der Stadt zufolge auch Diesel mit Schadstoffnorm 4 verboten. Von 2025 an sollen nur noch Diesel-Autos mit der Euronorm 6 in der belgischen Hauptstadt fahren dürfen.

Um die Einhaltung der Verbote kontrollieren zu können, hat die Stadt zahlreiche Kameras installiert. Seit Oktober sind 350 Euro Strafgebühr fällig, wenn man innerhalb der Zone mit einem verbotenen Diesel erwischt wird.

Jeder hat jedoch an maximal acht Tagen pro Jahr die Möglichkeit, sich vom Fahrverbot freizukaufen: Mit einem Tagespass zum Preis von 35 Euro dürfen die Brüsseler ausnahmsweise auch mit ihren eigentlich verbotenen Autos in die Stadt fahren.

Oslo

Norwegen fördert mit steuerlichen Mitteln den Kauf von Elektroautos und ist damit sehr erfolgreich. Fast die Hälfte aller neu zugelassenen Fahrzeuge ist inzwischen elektrisch. Bis 2025 soll kein Neuwagen in Norwegen mehr mit fossilen Brennstoffen laufen.

Die Stadt Oslo, die im Winter häufiger von Abgaswolken eingenebelt wird, macht das Fahren von Dieselautos besonders unattraktiv. Wird die Luft dick, müssen sie draußen bleiben. Schon jetzt sind die Mautgebühren für Benziner und Diesel ziemlich hoch, ab März gibt es in der Stadt 84 solcher Stationen.

Auch das Parken im Zentrum wird immer schwieriger und teurer. Die Innenstadt soll in knapp einem Jahr komplett autofrei sein. Im nächsten Schritt werden die Kreuzfahrtschiffe gedrängt, auf Strom umzustellen.

Kopenhagen

3000 Dänen sterben Schätzungen zufolge jedes Jahr aufgrund von Luftverschmutzung frühzeitig. Daher will der Kopenhagener Bürgermeister Frank Jensen, dass ab nächstes Jahr keiner in der Stadt einen neuen Dieselwagen kauft, denn in der Umweltzone darf er damit nicht mehr fahren.

Nur ältere Autos, die vor dem 1. Januar 2019 angemeldet wurden, sollen erlaubt sein. Ab 2030 soll der Verkauf von Dieselfahrzeugen in Dänemark ganz verboten werden, so die Pläne der Regierung.

Stockholm

In Schwedens Hauptstadt gibt es Pläne, im Stadtzentrum ab 2020 Umweltzonen einzuführen, in denen der Verkehr bei hoher Abgasbelastung reguliert werden kann.

Noch ist aber nicht beschlossen, wie diese Regulierung aussehen soll. Den Bewohnern von Stockholm wurde abgeraten, ein Dieselfahrzeug anzuschaffen.

Madrid

In der spanischen Hauptstadt wurde wegen hoher Luftverschmutzung erstmals am 28. Dezember 2016 ein Fahrverbot für bestimmte Fahrzeuge verhängt: Damals durften innerhalb des Autobahnrings M-30 nur Autos und Lkw mit geradem Kfz-Kennzeichen fahren, nachdem sich über Madrid eine Dunstglocke gebildet hatte.

Die Stadtregierung will nun noch weiter gehen: Schon in den nächsten Monaten werden Fahrzeuge, die nicht einem direkten Anwohner gehören, aus dem Stadtzentrum verbannt - und zwar nicht nur in den engen Gassen der Innenstadt, sondern etwa auch auf der wichtigen Verkehrsachse Gran Vía.

Überhaupt wird die ganze Stadt radikal umgebaut, auf zuvor mehrspurigen Straßen führt demnächst nur noch eine Fahrspur in jede Richtung. Erlaubt sind dann überhaupt nur noch Taxen, Busse, Lieferwagen und Autos mit Elektroantrieb.

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[23.11.2018, 15:40:59]
Peter Peschel 
Wie die Lemminge immer mit dem Mainstream gegen Diesel pro E-Auto/Wir werden vorgeführt und veräppelt ohne Ende
Wir werden vorgeführt und veräppelt ohne Ende... Deutschland schafft sich selbst ab egal wie und wo !!!
https://youtu.be/tJbO3EMoqV4
Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2): Eine kritische Bewertung der aktuellen Risikodiskussion
Nach Ansicht des Autors (Prof. Köhler, Pneumologe und Physiker) gibt es für die gültigen Grenzwerte zu Feinstaub und NO2 keine ausreichende wissenschaftliche Basis. Zudem sei die gesellschaftliche Diskussion inzwischen so ideologisiert, dass sie kaum sachlich geführt werden könne…
Die in Deutschland aktuellen Grenzwerte für Feinstaub (Tagesmittelwert: 50 µg/m³) und NO2 (Jahresmittelwert: 40 µg/m³) stammen aus epidemiologischen Studien, die im Wesentlichen von WHO- und EU-Arbeitsgruppen zusammengefasst und unterstützt wurden. Diese zu bewerten, erfordert neben wissenschaftlicher Erfahrung auch profunde Kenntnisse der Aerosolphysik sowie der Toxikologie von Gasen und Partikeln. Schaut man sich die Studien genauer an, verwundert es, dass daraus so weitreichende politische Schlüsse gezogen wurden. Denn nach Ansicht des Autors gibt es für die gültigen Grenzwerte zu Feinstaub und NO2 keine ausreichende wissenschaftliche Basis. Insbesondere die immer wieder publizierten „vorzeitigen Todesfälle“ sind methodologisch unsinnig, wie im Folgenden erläutert werden soll.
…Zigarettenrauch gehört zu dem dichtesten Aerosol, das man erzeugen kann. Es hat eine Partikelgröße von circa 0,5 µm, womit er im Gegensatz zum Feinstaub bevorzugt in den Alveolen deponiert wird. Bekanntermaßen enthält der Tabakrauch zahlreiche toxische Substanzen (17) und ist extrem konzentriert. Die Dichte des Zigarettenrauchs erreicht über 500 g/m³ (sic!), womit die Konzentration etwa 10-millionenfach über dem Limit des Feinstaubs liegt. Auch beträgt die Konzentration von NO2 im Zigarettenrauch über 300 000 µg/m³ (17).
Die in den Studien zum Feinstaub und zum NO2 gefundene Risikoerhöhung ist einfach dadurch zu widerlegen, dass man die inhalierten Dosen mit denen der Raucher vergleicht (18). Die vielen Millionen Inhalationsraucher stellen sozusagen einen inhalationstoxischen Großversuch dar. Das ist eine große Besonderheit, denn bei anderen Umweltrisiken wäre eine solche Untersuchung unethisch. Die EU hat für Deutschland durch Feinstaub eine Lebenszeitverkürzung von 10,2 Monaten errechnet (19); 6 000 Tote kommen durch NO2 hinzu (15). Vergleicht man lebenslang inhalierten Feinstaub und NO2 mit den inhalierten Dosen der Raucher, so müssten diese nach wenigen Wochen alle sterben, was offensichtlich nicht der Fall ist…
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Smog%2FFeinstaub?aid=200863

Wasserdampf | Deutsches Klima Konsortium

https://www.deutsches-klima-konsortium.de/de/klimafaq-8-1.html

Klimalüge: Mehr als 31.000 Wissenschaftler machen jetzt mobil
https://schluesselkindblog.com/2018/01/17/klimaluege-mehr-als-31-000-wissenschafler-machen-jetzt-mobil/
Globale Erderwärmung: Die Klimalüge
https://equapio.com/umwelt/globale-erderwaermung-und-die-klimaluege/

Die Lüge = Klimalüge…
Der umgangssprachliche Begriff Klimalüge (auch Klimaschwindel, Klimahysterie, Global Warming Swindle) bezieht sich auf Ansichten verschiedenster Herkunft, die die zur Zeit stattfindende globale Erderwärmung pauschal leugnen oder behaupten, dass menschliche Aktivitäten (der so genannte anthropogene Einfluss) keine Auswirkungen auf das Weltklima haben.
Klimaskeptiker, die eine bereits länger andauernde globale Erderwärmung leugnen, werden auch "Klimaskeptiker der ersten Stufe" oder "der ersten Art" bezeichnet, unterscheidbar zu denjenigen, die lediglich den menschlichen Einfluss als irrelevant ablehnen.
https://www.psiram.com/de/index.php/Klimal%C3%BCge
Ökobilanz: Ein kritischer Blick E-Autos Sind E-Autos ein großer ökologischer Fortschritt? Oder verschärfen sie das Klimaproblem nur? Unser Autor hat sich auf eine ausführliche Spurensuche begeben - und erklärt, wieso das Thema zu komplex ist für einfache Antworten…
https://www.spektrum.de/news/wie-ist-die-umweltbilanz-von-elektroautos/1514423



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[22.11.2018, 14:33:51]
Joachim Pfitzer 
Paris "sehr strenge Regelungen"?
In Paris "sind die Regelungen im Kampf gegen Abgase sehr streng"? Wie kommen Sie denn zu dieser Einschätzung? Nur weil alte Dreckschleudern "mit Erstzulassung vor 2001" (Diesel) und "Benziner mit Baujahr vor 1997" (20 Jahre alte Fahrzeuge!) "in der Woche tagsüber nicht mehr überall fahren" dürfen und "ab Mitte 2019 gar nicht mehr im Großraum Paris fahren" dürfen? Lächerlich! Ich war diesen Sommer für einen Nachmittag zu Fuß in der Pariser Innenstadt unterwegs, danach hat sich meine Lunge angefühlt wie zuletzt vor 20 Jahren nach einem Nikotinexzess, als ich noch geraucht habe. Überall Gestank und Dauerstau. Dagegen nehmen sich Stuttgart und München wie Luftkurorte aus! zum Beitrag »

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