Ärzte Zeitung, 11.02.2013
 

Leitartikel

Besserwisser und Propheten: Narrhallamarsch für die Gesundheitspolitik

Ollie und Stan als Protagonisten der deutschen Gesundheitspolitik? Propheten, Alleswisser und Dauer- Jammerer komponieren die Begleit-musik in der Medizin. Ein guter Grund, ihnen am Rosenmontag den Narrhalla- marsch zu blasen.

Von Christoph Fuhr

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Marilyn alias Markus Söder: Da bleibt kein Auge trocken.

© David Ebener / dpa

Liebe Närrinnen und Narrhalesen, draußen steht einer, der will uns was erzählen von Hochkostenfallmanagement in der GKV und morbiditätsadjustiertem Erfolgscontrolling - wolle merr 'n rinnlosse? Nein, Herr Sitzungspräsident, der Mann soll bleiben, wo der Pfeffer wächst! Heute ist kein Platz für technokratische Expertokratie, heute ist Rosenmontag, die Bühne gehört den Narren, und damit basta. Tusch, Helau und Alaaf!

Sie, liebe Leser, dürfen sich deshalb nicht wundern, dass der Leitartikel, den Sie eigentlich auf dieser Seite der "Ärzte Zeitung" erwarten, heute einmal ganz anders daherkommt, als Sie es eigentlich gewohnt sind. Die Welt steht Kopf, die dollen Tage erreichen ihren Höhepunkt, da können und wollen auch wir nicht bierernst bleiben.

Die Staatsschauspieler

Manche Politiker zeigen, wie's gemacht wird. Sie liefern uns Beispiele für frei- und zuweilen auch unfreiwilligen Humor. Markus Söder zum Beispiel, bayerischer Finanz- und langjähriger Gesundheitsminister, ist vor ein paar Tagen extravagant verkleidet als Sexbombe im Marilyn-Monroe-Outfit beim Karneval in Franken gesichtet worden.

Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel wiederum hat kurze Zeit später vehement vor all den sexistischen Frauen gewarnt, die aus seiner Sicht zart besaitete Männer in Deutschland emotional (und womöglich sogar körperlich?) in die Bredouille bringen.

Marilyn alias Markus Söder kann er damit eigentlich nicht gemeint haben. Ohnehin muss man davon ausgehen, dass Niebel keinen karnevalistischen, sondern eher einen fundierten soziologisch-sexualwissenschaftlichen Beitrag leisten wollte, der allerdings - mit Verlaub - inhaltlich durchaus in die Bütt gepasst hätte.

Karnevalssitzungen bieten die Bühne, auf der das Volk auf den Putz hauen und gegen Politiker und andere "da oben" wettern kann. Auch im Gesundheitswesen gibt es eine Obrigkeit, die geradezu prädestiniert ist, mal so richtig verhohnepiepelt zu werden.

Ein Beispiel: Was auch immer im Bereich Gesundheit geschieht - stets tauchen hinterher sogenannte Experten auf, die penetrant behaupten, sie hätten genau diese Entwicklung schon lange vorher gewusst und vorhergesagt ...

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