Ärzte Zeitung, 07.03.2007

KOMMENTAR

Diät-Frage verfehlt Kern des Problems

Von Thomas Müller

Wenig Fett oder wenig Kohlenhydrate? Diese Frage stellen Ernährungsexperten immer wieder und liefern sich teilweise einen erbitterten Streit um die vermeindlich beste Ernährungsstrategie gegen überflüssige Pfunde.

Als Orakel werden daher gerne randomisierte Studien bemüht, doch sie geben wie alle Orakel keine klaren Antworten. Zwar dürfen sich jetzt die Anhänger der Atkins-Diät freuen, weil Teilnehmer damit in der neuesten Studie am meisten abgenommen haben, doch sollten sie sich darauf nichts einbilden.

Zwei Jahre zuvor hat die Atkins-Diät in einem Vergleich mit ähnlichen Diäten am schlechtesten abgeschnitten. Und damals nahmen Männer und Frauen aus allen Altersschichten teil, dagegen bezieht sich die aktuelle Studie nur auf Daten mit Frauen, die jünger als 50 Jahre alt sind. Übereinstimmung gab es in beiden Studien jedoch in zwei Punkten: Mit keiner Diät nahmen die Teilnehmer mehr als zwei bis fünf Prozent ihres Körpergewichts ab, und je länger die Diät dauerte, umso mehr wichen sie vom Diätplan ab - nach einiger Zeit aßen die meisten wieder, was sie wollten.

Die Frage nach der richtigen Abspeck-Diät führt daher am Kern des Problems vorbei. Entscheidender als der Fett- oder Kohlenhydrate-Anteil der Nahrung ist die Menge, die verzehrt wird. Wer täglich mehr Kalorien aufnimmt, als er benötigt, wird zwangsläufig dick. Weniger essen und mehr Bewegung - das verspricht mehr Erfolg, als den Fettgehalt auszurechnen.

Lesen Sie dazu auch:
Egal ob Atkins- oder Ornish-Diät, die Fettpolster schrumpfen nur wenig

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