Ärzte Zeitung, 30.04.2012

Durchbruch zu festen Punktwerten - ein Pyrrhussieg

Durchbruch zu festen Punktwerten - ein Pyrrhussieg

Die Kassen schreiben zwar Milliardendefizite, aber zu Beginn des Jahres 1992 geben sie den Kassenärzten auf breiter Front nach: Die Einzelleistungsvergütung kommt.

Köln, im Januar 1992. Nach heftigem Streit im Herbst 1991 erzielen KBV und Ersatzkassenverband Ende Januar 1992 den Durchbruch für einen neuen Honorarvertrag, der rückwirkend zum Jahresbeginn in Kraft tritt.

Für die meisten ärztlichen Leistungen wird das Honorar nun auf der Basis der Einzelleistungsabrechnung zu einem festen Punktwert vergütet. Der Punktwert steigt von 10,65 auf 11,2 Pfennig.

Hausbesuche werden um fünf DM höher vergütet. Nur für einige technische Leistungen und für das Labor gelten Budgets. Insgesamt rechnet man mit einer Honorarerhöhung von acht Prozent.

Auch für die Primärkassen wird auf Bundesebene durch eine neue Rahmenempfehlung der Durchbruch geschafft. Das Kernstück: Der Mengendeckel soll wegfallen.

Vergütung mit festem Punktwert

Wie beim Ersatzkassenvertrag sollen individuelle Leistungen mit einem festen Punktwert vergütet werden. Die Aushandlung der Punktwerte soll auf Landesebene erfolgen; dafür werden keine Vorgaben gemacht.

Dort zeigt sich die Kreativität und Durchsetzungsfähigkeit mancher KV-Chefs, beispielsweise Klaus-Dieter Kossow in Niedersachsen: Er vereinbart mit der AOK einen gesonderten höheren Punktwert für die Behandlung von Rentnern und für diese Patientengruppe auch eine höhere zulässige Mengensteigerung.

Prospektiv rechnet man mit einem Honoraranstieg von 8,3 bis 8,8 Prozent. Binnen drei Jahren hat Kossow damit ein Honorarplus von 28 Prozent durchgesetzt.

Das wird ihm noch im gleichen Jahr auf die Füße fallen: Mit der "Lex Kossow" werden nach Status differenzierte Punktwerte verboten. Und warum hat die AOK damals mitgemacht?

Sie konnte die Zusatzkosten fast beitragssatzneutral über den totalen Finanzausgleich der Krankenversicherung der Rentner auf andere Kassen verschieben. Mit dieser Beggar my Neighbour Policy macht der Risikostrukturausgleich Schluss. (HL)

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