Ärzte Zeitung, 10.06.2010

"Der Ball ist rund, und das Spiel dauert 90 Minuten ..."

WM-Fieber im Team ist Sache des Praxischefs

Nur noch wenige Stunden trennen uns von den herrlichen Wochen, in denen das Volk nichts anderes im Sinn haben wird, als die Nachrichten von den Fußballweltmeisterschaften in Südafrika. Sollte es unter den Lesern noch irgendjemanden geben, der nicht weiß, was Fußball ist, hier die Aufklärung mit den Worten von Sepp Herberger, dem legendären Trainer der Weltmeisterelf von 1954 in Bern: "Der Ball ist rund, und das Spiel dauert 90 Minuten."

Doch bei allem Respekt, das stimmt heute meist nicht so ganz; denn fast immer, verlängert sich das Spiel um 3 bis 4 Minuten - und dann fallen oft auch die entscheidenden Tore. Auch das Leben eines Fußballers ist halt härter geworden und mit längerer Arbeitszeit verbunden.

Das müssen sich die Fußballspieler bei den Gesundheitspolitikern abgeschaut haben, die noch selten in der vorgesehenen Zeit ihre Reformen unter Dach und Fach bekommen haben. Horst (Seehofer) hat das einst eine lange und schöne Nacht mit Ulla (Schmidt) beschert - und auch deren Nachfolger Philipp Rösler muss jetzt mit seiner Pauschalenidee schon in der Gruppenphase in die Verlängerung. Kaum zu glauben, dass er damit bis ins Finale kommt.

Das sieht bei "unserer" Nationalmannschaft hoffentlich anders aus, auch wenn schon vor Beginn der WM eine Schwächung des Teams durch Ausfall von Ballack, Hitzlsperger, Rolfes und Träsch zu beklagen ist. Viele sagen, das ist dramatisch und sehen bereits jetzt alle Felle wegschwimmen - aber, um Himmels Willen, wer ist Träsch, und wo hat er gespielt??

Zu den stärksten Fußballländern in Europa gehören Spanien, Portugal und Italien. Merkwürdigerweise sind es die gleichen Länder, deren Wirtschaftslage die Stabilität unserer Währung gefährdet. Sollte es einen Zusammenhang zwischen miserabler Wirtschaftslage und Fußball geben? "Herrliche Wochen" sollen es sein - das ist aber nur gültig, wenn unsere Mannschaft zumindest das Halbfinale erreicht. Das ist nicht nur wichtig für uns Zuschauer am Fernsehschirm, sondern insbesondere für Joachim Löw. Erreicht unsere Elf das Halbfinale, wird Löw dem DFB seine Bedingungen stellen können, schafft er es nicht, dann darf man annehmen, dass er überhaupt keine zu stellen braucht.

Herrliche Wochen werden es auch für unsere Politiker sein. Das Volk wird sich auf die zu Schicksalsschlachten hochstilisierten Spiele der deutschen Kicker konzentrieren, und die Politik kann in der Zwischenzeit in aller Ruhe und kaum beachtet ihre Zwangsschrauben vorbereiten und diese festdrehen, den erhöhten Kassenbeitrag wohl inbegriffen. Doch wen interessiert das, wenn unsere Jungs ihre Ziele in Johannesburg und Kapstadt erreichen sollten?

Hier vor der WM ausschließlich von Europa zu berichten, erstaunt möglicherwiese manchen. Doch global wäre es vielleicht viel zu gefährlich. Besonders die Südamerikaner sind im Fußball unberechenbar. 1969 herrschte zwischen Honduras und El Salvador ein längerer Fußballkrieg. Auch heutzutage ist dieser Sport in Südamerika lebensgefährlich, was folgende Ankedote belegt:

Ein schwarz gekleideter Mann klopft an die Himmelstür. Petrus öffnet und fragt. Wer bist du? Warst du jemals ungerecht?" "Ich habe als Fußballschiedsrichter gearbeitet, und einmal, in einem Länderspiel zwischen Bolivien und Paraguay, habe ich den Bolivianern einen Elfmeter zugesprochen, der nicht ganz gerecht war." "Wie lange ist das her?" "Etwa 60 Sekunden", antwortete der Mann in Schwarz.

Ganz viele faire und spannende Spiele wünscht sich nicht nur

Ihr Ironius

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