Ärzte Zeitung, 26.01.2006

Lust auf Winter im Bayerischen Wald

Rundwege für Schneeschuh-Wanderer, Nordic Walking im Winter oder Touren mit dem Pferde- schlitten: Der Luftkurort Grafenau im Naturpark Bayerischer Wald macht "Lust auf Winter".

Lust auf Winter - unter diesem Motto vermarktet die bayerische Stadt Grafenau ihr dichtes Netz an Winter-Wanderwegen und Langlaufloipen. Und dieses Motto ist ernst gemeint. Denn in dem Luftkurort im Naturpark Bayerischer Wald wird Langläufern und Wanderern, Schneeschuh-Gehern und Nordic Walkern sowie Familien mit Kindern einiges geboten.

Winterromantik: Wanderer können im Bayerischen Wald durch unberührten Schnee stapfen. Fotos: Touristinformation Grafenau

Die rot markierten Sommer-Wanderwege etwa werden in den Wintermonaten zu Schneeschuh-Wanderwegen umfunktioniert. Wem das Stapfen durch den Schnee jedoch zu mühsam ist, für den empfiehlt sich eine Winterwanderung auf geräumten Wegen. Dabei haben Besucher die Qual der Wahl - denn in und um Grafenau existieren etwa zehn Winter-Rundwanderwege, die bequem an einem halben Tag zu begehen sind.

Luftkurort und Wintersportplatz: Die Bärenstadt Grafenau ist die älteste Stadt des Bayerischen Waldes.

Besonders schön ist der Winterwanderweg Nummer 7, der von Grafenau aus über die Kleblmühle und ein Hochplateau nach Neudorf und anschließend über die Klingmühle und Schlag wieder zurück nach Grafenau führt: Der Rundwanderweg beginnt am Volksfestplatz in Grafenau.

Das erste Stück des Weges führt etwa zwei Kilometer lang an der Kleinen Ohe entlang - an der Kleblmühle geht es dann hinauf auf das Hochplateau zwischen dem Steinberg und dem Spitzberg. Oben angekommen, sind es noch etwa 45 Minuten bis Neudorf. Hier wandert man großenteils auf einem Berg-Kamm entlang - und hat einen herrlichen Fernblick auf die verschneiten Hänge des Nationalparks Bayerischer Wald.

In Neudorf lohnt es sich, den markierten Wanderweg kurz zu verlassen und einen Abstecher in die Ortsmitte zu unternehmen. Dort finden sich nicht nur einige Gasthöfe, in denen man sich bei einem Gläschen "Bärwurz" oder "Blutwurz", typischen Kräuterschnäpsen oder -likören des Bayerischen Waldes, wieder aufwärmen kann. Sondern hier gibt es auch ein Künstleratelier, das einen Besuch lohnt: die "Schrottkiste" von Manuela und Helmut Binder, die dort originelle Metall- und Glasobjekte präsentieren.

Eine Winterwanderung auf eigene Faust ist nur eine Möglichkeit, Grafenau und die Umgebung zu erkunden. Wer möchte, kann sich auch mit Wanderführern wie Sepp Schmalzbauer auf den Weg machen. Der 67jährige kennt alte Schmugglerhöfe und urige Gasthäuser, und er berichtet auf den wöchentlich von der Touristinformation organisierten Fackelwanderungen von schauerlichen Waldgeistern, die der Bevölkerung über Jahrhunderte Furcht einjagten.

Die Bärenstadt Grafenau, die wegen des Bären im Wappen seit über vierzig Jahren eine Städtepartnerschaft mit Berlin hat, ist zudem ein idealer Ausgangsort, um sich mit den verschiedenen Facetten der Geographie und der Geschichte des Bayerischen Waldes zu befassen. Nur etwa drei Kilometer von Grafenau entfernt liegt die Ettlmühle. Das altehrwürdige Mühlengebäude aus dem Jahr 1788 gilt als eine der schönsten und besterhaltenen Mühlen Bayerns. Doch die Ettlmühle lohnt noch aus einem weiteren Grund einen Besuch: Hier verbinden sich die Große und die Kleine Ohe zur Oberen Ilz, dem letzten echten ostbayerischen Wildgewässer.

Rodeln macht nicht nur Kindern Spaß.

Grafenau liegt auch an zwei Themen-Wanderwegen des Bayerischen Waldes: dem Gläsernen Steig und dem Güldenen Steig. Der Güldene Steig erinnert an eines der wichtigsten Handelsgüter des Mittelalters: das Salz. Auf Beschluß Kaiser Karls IV. wurde von 1356 bis 1361 ein offizieller Handelsweg über die Mittelgebirgszüge des Bayerischen Waldes angelegt, über den das Salz von den Donauhäfen in Passau und Vilshofen per Pferd und Wagen nach Böhmen transportiert werden konnte. Eine Tradition, die in Grafenau beim Salzsäumerfest alljährlich wieder lebendig wird.

Grafenau liegt aber auch am Gläsernen Steig, der an die frühere Bedeutung der Glasindustrie erinnert. Im Bayerischen Wald gab es fast alles, was für die Glasindustrie wichtig war, besonders Quarzstein und Buchenholz. Lediglich der Kalk wurde aus Böhmen eingeführt. Aufgrund des besonders hohen Eisengehaltes des Quarzgesteins ist das sogenannte "Waldlerglas" relativ grünstichig - und dadurch leicht zu erkennen. Die wichtigsten Glasbläser- und Ferienorte des bayerischen Waldes sind von Grafenau aus bequem mit der Waldbahn zu erreichen. Die Bahnstrecke nach Zwiesel und Bayerisch Eisenstein führt zum großen Teil durch unberührte Winterlandschaft. An mehren traditionsreichen Glasbläserorten macht der Zug Halt.

Die Glasbläserkunst wird auch in der unmittelbaren Umgebung von Grafenau an verschiedenen Orten gepflegt, in neun Kilometer entfernten Spiegelau ebenso wie in St. Oswald-Riedlhütte und in Neudorf. Hier bieten die Binders regelmäßig Glasbearbeitungskurse an, in denen, je nach Jahreszeit, Christbaumkugeln oder Ostereier hergestellt werden. Einen Besuch lohnt auch die Ausstellung von "Glasscherben Köck" in Riedlhütte, einer Schauglashütte, wo Glaskunstwerke entstehen und in der viele gläserne Unikate zu bewundern sind.

Wer keine Lust hat, selbst zu wandern, kann die schneebedeckte Landschaft rund um Grafenau auch per Pferdeschlitten erleben. Montags, wenn die Touristinformation diese Schlittenfahrten vermittelt, sind oft fünf kutschenähnliche Schlitten gleichzeitig im Einsatz und rutschen gemächlich durch den weichen Schnee. Wer sich jedoch lieber selbst bewegt, für den steht jeden Donnerstag geführtes Nordic Walking auf dem Programm - und da die Grafenauer Winterwanderwege regelmäßig geräumt werden, ist das auch bei Schnee kein Problem. Vorausgesetzt, die Besucher sind warm angezogen.

Rainer Heubeck

Reisetips

Grafenau:

Weitere Auskünfte sowie die Wanderkarte "Lust auf Winter" (Schutzgebühr zwei Euro, für Gäste mit Kurkarte kostenlos) gibt es im Tourismusbüro:

Touristinformation Grafenau
Rathausgasse 1
94481 Grafenau
Telefon: 085 52 / 96 23 43
Fax: 085 52 / 46 90
E-Mail: tourismus@grafenau.de
Internet: www.grafenau.de

Weitere Informationen:

Infos zum Künsterlatelier "Schrottkiste" in Neudorf gibt es online unter www.metallambiente.de.

Über die Schauglashütte der Familie Köck und ihre Glaskunst-Galerie informiert die Homepage www.glasscherben-koeck.de.

Über den Fahrplan der Waldbahn informiert die Website www.bayerwald-ticket.de.

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