Ärzte Zeitung online, 07.07.2017
 

Erfolgreiche ZDF-Serie

Hausbesuch beim Bergdoktor

"Der Bergdoktor" hat eine Fangemeinde, die immer größer wird. Warum das so ist, verrät der Blick hinter die Kulissen einer seit Jahren erfolgreichen ZDF-Serie, die nicht nur vom Zauber der Alpen lebt.

Von Michaela Illian

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Herrliche Alpenidylle für den Bergdoktor

© Michaela Illian

Herrliche Berge, grüne Wiesen, urige Tiroler Bauernhäuser – es könnte kaum einen schöneren Ort geben, um als Arzt zu praktizieren. Beeindruckendes medizinisches Wissen und großes Engagement für seine Patienten zeichnen Dr. Martin Gruber aus. Zudem werden seine Hausbesuche scheinbar grenzenlos vergütet. Er ist der prominente Arzt aus der ZDF-Serie "Der Bergdoktor", dargestellt von Schauspieler Hans Sigl.

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Dr. Martin Gruber (Hans Sigl)

© ZDF/Thomas R. Schumann

Für den normalen Praxisalltag hat Dr. Gruber meist keine Zeit, denn seine Fälle sind kompliziert, führen oft an ethische oder moralische Grenzen und fordern darüber hinaus sehr einfühlsamen Umgang mit den ängstlichen oder eigensinnigen Patienten und deren Angehörigen. Sein Praxisvorgänger, der pensionierte Arzt Dr. Roman Melchinger, gespielt von Siegfried Rauch, kümmert sich derweil um die Patienten, die mit "normalen" Erkrankungen in die Praxis kommen.

Hohe Einschaltquoten

Der Bergdoktor ist ein Publikumsmagnet, die Episoden der Serie erzielen regelmäßig hohe Einschaltquoten und locken viele Urlauber in die Drehorte Ellmau, Going, Scheffau und Söll am Wilden Kaiser in Tirol. Außer Wandern und dem, was wunderbare Bergferien sowieso ausmacht, bietet die Region viele Aktivitäten rund um die Serie.

Dazu gehört auch die Besichtigung der Drehorte. Zweimal im Jahr findet die Fan-Woche statt, an deren Höhepunkt, dem Fantag, die Bergdoktor-Enthusiasten ihre Stars hautnah erleben dürfen. Hier bietet sich auch für die Presse Gelegenheit, mit Schauspielern und Fans zu sprechen.

Beate, Studienkoordinatorin einer Lungenklinik in Garching und große Anhängerin der Serie, gefällt die detaillierte Behandlung der medizinischen Fälle des Bergdoktors: "Manchmal versuche ich selbst die Diagnose zu stellen, das fasziniert mich". Emotionale und medizinische Tiefe ist vor allem möglich, seit das Format 2012 von 45minütigen Episoden auf 90 Minuten pro Folge umgestellt wurde. "Damals war es manchmal sehr schwierig, eine Leukämie-Patientin in 45 Minuten wieder als geheilt zu entlassen. Da musste man schon sehr komprimiert schreiben, spielen und denken", erinnert sich Sigl.

Die Fälle von Filmarzt Gruber mögen in ihrer Zuspitzung vielleicht unrealistisch sein. Sie werfen aber viele ethische Fragen auf, die auch nach 90 Minuten noch wirken und für Diskussionsstoff sorgen: Soll etwa eine schwangere Frau ihrem Mann eine Niere spenden, auch wenn dabei das Wohl des Kindes gefährdet wird? Darf ein Vater Selbstmord begehen, damit die Leber seinen beiden Kindern transplantiert werden kann, die nach einer Vergiftung beide mit dem Tod ringen? Schwierige Entscheidungen! Hans Sigl erinnert sich an eine Abiklasse aus Heilbronn, die zu einem früheren Fantag gekommen war. Sie hatten im Ethikunterricht die Fälle des Bergdoktors durchgenommen! Oft findet Gruber eine Lösung für die Probleme seiner Patienten, doch nicht immer gibt es ein Happy End. Dass das Ende einer Episode nicht vorhersehbar ist, gefällt Eric, Sohn einer Familie aus Thüringen, die schon zum fünften Mal beim Fantag dabei ist.

Dr. Grubers Praxis ist in einem uralten Tiroler Bauernhaus untergebracht. Vor vielen Jahren hat dort der Bürgermeister gewohnt, nun steht das Haus für Dreharbeiten zur Verfügung. Das Empfangszimmer, der Wartebereich und Grubers Sprechzimmer stehen bereit für die Dreharbeiten zur neuen "Bergdoktor"-Staffel, die im Juni begonnen haben. Medizinische Geräte wie etwa das Sonografiegerät sind voll funktionsfähig, eine richtige Heizung oder eine Toilette gibt es in dem Haus aber nicht – es ist eben eine Kulisse. An der Eingangstür prangt noch das Schild von Dr. Grubers Praxis-Vorgänger. "Das richtige Schild hängen wir erst zum Dreh auf, das ist nämlich schon so oft geklaut worden", erzählt Peter Moser, Wanderführer, Filmexperte und Locationscout aus Ellmau.

Optimale Vernetzung

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Zur optimalen Patientenversorgung in Dr. Grubers Praxis trägt auch die enge Freundschaft des Arztes zum Chef der nahen Klinik bei. Ein kurzer Anruf bei Dr. Alexander Kahnweiler, gespielt von Mark Keller, und den Patienten steht binnen kürzester Zeit das MRT oder ein OP-Termin zur Verfügung. So wünscht man sich die Kooperation zwischen ambulantem und stationärem Bereich! Die Klinik im Film gibt es so in der Realität nicht, Außenfassade und Eingangsbereich gehören zu zwei verschiedenen Krankenhäusern in Tirol. Die Intensivstation für den Dreh ist in einer Tennishalle in Ellmau aufgebaut.

Für korrekte und plausible medizinische Fakten sorgt Dr. Pablo Hagemeyer, medizinischer Coach aus Weilheim in Oberbayern. Wenn es darum geht, medizinische Abläufe möglichst realistisch darzustellen, sind er oder die Krankenschwester Franziska Rambousek aus Kufstein zur Unterstützung am Set. Schauspieler Hans Sigl profitiert dabei aber auch von seiner Zeit als Zivi: "Ich habe mich damals sehr für medizinische Fragen interessiert und wie man mit Patienten umgehen muss."

Dr. Gruber behandelt nicht nur, er bringt auch Patienten zusammen, wenn er den Eindruck hat, sie könnten sich gegenseitig bei der Heilung helfen, bei der Annahme eines Schicksals unterstützen oder sich vielleicht sogar neuen Lebensmut geben.

Schlichter zwischen den Fronten

Dabei hat Gruber genug eigene Probleme. Wie überredet man die Tochter weiterhin die Schule zu besuchen, auf die sie gerade gar keine Lust mehr hat? Wie beruhigt man den vor Eifersucht kochenden Bruder? Dr. Gruber tritt als Schlichter zwischen allen Fronten an, gerne treffen sich die Protagonisten auf der einladenden Terrasse des "Gruberhofs", um wütend, eifersüchtig oder unverstanden wieder auseinander zu gehen.

Wer einmal auf dieser Terrasse mit Blick auf den Wilden Kaiser, die saftigen Wiesen und das malerische Söll gestanden hat, mag kaum glauben, dass man sich hier überhaupt streiten kann. Doch der "Gruberhof", den die Mutter und der Bruder führen (Monika Baumgartner als Lisbeth Gruber und Heiko Ruprecht als Hans Gruber), steht wirtschaftlich auf der Kippe. Die einzige Überlebensoption scheint eine Allianz mit Anne, der Ex-Freundin des Doktors, zu sein. Anne, gespielt von Ines Lutz, wollte den Doktor in einer früheren Folge zu einer Falschaussage drängen. Eine Versicherungsprämie stand auf dem Spiel. Doch Dr. Gruber ist ein integrer Mann und hat selbstverständlich auf der Wahrheit bestanden. Und das schätzen die Zuschauer sehr! Anne ist deshalb zur meist verhassten Serienfigur geworden.

Waltraud, Bergdoktor-Anhängerin aus Hessen, spricht beim Fantag vielen aus der Seele: "Schmeiß endlich die Anne vom Hof!" fordert sie Dr. Martin Gruber alias Hans Sigl energisch am Mikrofon auf, die anderen Fans im Publikum applaudieren. Wann wird es eine Frau Gruber geben? Oder kann es überhaupt eine Frau geben, die die weibliche Fangemeinde akzeptieren würde?

Über all der Freude, dem Leid und der Leidenschaft thront der Wilde Kaiser, strahlend vor blauem Himmel, freundlich mit weißen Wölkchen oder auch unheilverkündend vor den dunklen Wolken des Schicksals.

"Meine Tante hat ein Problem"

Viele der Darsteller sind seit Beginn der Bergdoktor-Produktion 2007 dabei, die Filmtochter Lilly alias Ronja Forcher, ist mit der Serie groß geworden. Nach zehn Jahren Zusammenarbeit ist das Team während der Dreharbeiten am Wilden Kaiser quasi zu Hause. Zwischen Redaktion, Produzenten und Schauspielern hat sich ein großes Vertrauen entwickelt.

Wenn sie eine Filmszene anders oder besser machen können, sind Vorschläge der Schauspieler gerne gesehen. "Bei den medizinischen Abschnitten hat es sich allerdings bewährt, dass man das Drehbuch eins zu eins übernimmt", räumt Sigl lachend ein. Im Zweifelsfall wird der neue Dialog dem Coach Dr. Hagemeyer zur Prüfung vorgelegt. Wenn Serienfans Hans Sigl irgendwo treffen, dann kommt schon auch Medizinisches zur Sprache: "Meine Tante hat da ein Problem ...", oder: "Sie hatten doch da eine Folge, wo das und das behandelt wurde!" Die Grenzen zwischen fiktiver Serienwelt und realem Leben verschwinden da schon mal.

Die Serie geht nun ins elfte Jahr und ein Ende ist derzeit nicht in Sicht, denn die Einschaltquoten sind prima – die Folgen der letzten Staffel sahen im Schnitt rund sieben Millionen Zuschauer! "Der Bergdoktor darf nur nicht heiraten!", mahnt Peter Moser. Für ihn und den Tourismusverband kann es gerne noch mindesten zehn Jahre weitergehen.

Region Wilder Kaiser

Die traumhaften Berufsbedingungen von Dr. Gruber mögen Fiktion sein, doch die herrliche Landschaft ist Realität und kann jeder genießen.

- Die Region Wilder Kaiser mit den Orten Ellmau, Going, Scheffau und Söll bietet viele Angebote zum Beispiel für Wanderer, Radfahrer, Golfer.

- Anfahrt mit der Bahn: Täglich sieben Direktverbindungen von München nach Kufstein. Von dort verkehren regelmäßig Postbusse oder man nutzt ein Bahnhofsshuttle der Region.

Mehr Infos unter:

www.wilderkaiser.info

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