Direkt zum Inhaltsbereich

HINTERGRUND

Auch Mittelmeer-Urlauber können ärztlichen Rat gut gebrauchen

Von Ursula Armstrong Veröffentlicht:

Jedes Jahr reisen über 23 Millionen Deutsche in die Mittelmeer-Region. Die Infektionsrisiken dort werden von vielen Touristen nicht ernst genommen - schließlich ist ein Urlaub in Spanien oder Südfrankreich doch etwas anderes als eine Reise nach Uganda oder Kambodscha. Dennoch brauchen auch diese Touristen eine reisemedizinische Beratung. Denn im südlichen Klima können sich Viren und Bakterien besser ausbreiten als hierzulande. Und es gibt auch mehr Insekten, die Krankheitserreger übertragen können.

Viele Patienten sind dankbar, wenn man sie auf ihre Urlaubspläne anspricht und ihnen gegebenenfalls eine reisemedizinische Beratung anbietet. Das Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf gibt Tipps, die Ärzte Patienten vor Reisen in die Mittelmeerländer geben können.

Wichtig ist, den Impfschutz zu überprüfen und aufzufrischen. Das gilt vor allem für die Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie. Auch ist das Risiko, sich mit Hepatitis-A-Viren zu infizieren, in Süditalien achtmal höher als in Deutschland und in der Türkei sogar 50-mal höher. Wer unter einfachen Bedingungen am östlichen Mittelmeer oder in Nordafrika unterwegs ist, sollte gegen Typhus geimpft sein. Für Nordafrika wird empfohlen, den Polio-Schutz aufzufrischen.

Nachdem sich ein deutscher Tourist in Marokko mit Tollwut infiziert hat und daran gestorben ist, wird wieder über die präexpositionelle Tollwut-Impfung diskutiert. Viele Reisemediziner raten inzwischen grundsätzlich zur Impfung vor Reisen in Gebiete mit hohem Tollwutrisiko, und dazu gehören die Länder Nordafrikas. Auf jeden Fall sollte man Touristen ans Herz legen, keine Tiere anzufassen. Auch Hunde, die lieb und ruhig erscheinen, können infiziert sein und das Virus weitergeben.

Mückenschutz ist wichtig und daher Patienten dringend ans Herz zu legen! So sind am Mittelmeer etwa Schmetterlings- oder Sandmücken (Phlebotomen) weit verbreitet. Diese winzigen nachtaktiven Plagegeister übertragen Bunyaviren, die Erreger des Phlebotomus-Fiebers, auch Drei-Tage-Fieber genannt. Die Infektion erinnert an eine Sommergrippe. Aber die Rekonvalenszenzzeit kann Monate dauern. Besonders gefährlich ist der Virus-Subtyp Toscana, der auch auf Zypern vorkommt: 20 bis 25 Prozent der Infizierten erkranken an einer Meningitis.

Sandmücken können außerdem Leishmanien übertragen. Die Infektion ist rund um das Mittelmeer weit verbreitet. Die viszerale Leishmaniose kann für alte Menschen tödlich sein. Schutz bieten Repellents sowie helle Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen, vor allem in der Dämmerung. Nachts unter einem Moskitonetz zu schlafen kann gerade für alte Menschen sinnvoll sein.

Weitere Punkte, auf die man Mittelmeer-Reisende hinweisen kann:

  • Vorsicht auch beim Duschen: Vor allem in spanischen Hotels kommt es immer wieder zu Erkrankungen mit der Legionärskrankheit. Auslöser sind Legionellen, die sich in stehendem, lauwarmem Wasser, zum Beispiel in Duschköpfen oder Wasserhähnen, stark vermehren und dann beim Duschen und Waschen mit dem Wasserdampf eingeatmet werden. Die Folge kann eine schwere Lungenentzündung sein - für alte Menschen oft tödlich. Spanien-Reisende sollten vor dem Duschen oder dem Waschen das Wasser einige Zeit ablaufen lassen und sich dabei möglichst nicht im Bad aufhalten.
  • Rohmilchprodukte wie bestimmte Käsesorten oder nicht pasteurisierte Milch können Brucellose-Erreger enthalten. Die Krankheit beginnt mit Fieber, später treten Gelenkschmerzen auf, und es kann zu Ausfällen von Gehirnfunktionen und zu Herzrhythmusstörungen kommen. Auch wenn Rohmilchprodukte als regionale Spezialität angepriesen werden - Touristen sollten sie meiden.
  • Baden verboten heißt es in Flüssen und Seen in nordafrikanischen Ländern wie Ägypten, Libyen, Syrien oder Tunesien. Denn dort kann man sich mit Bilharziose infizieren.


Viele Tipps für die Beratung

Das Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf und das Auswärtige Amt in Berlin haben mit Unterstützung des Unternehmens GlaxoSmithKline eine neue Broschüre herausgegeben: "Infektionsrisiko Mittelmeerländer?" Die 20-seitige Broschüre ist für Reisende konzipiert, aber sie enthält auch viele Infos für die reisemedizinische Beratung. Sie lässt sich online herunterladen, Ärzte können kostenlos ein Aktionspaket mit je 25 Broschüren, einem Aufsteller und einem DIN-A2-Poster beim CRM erhalten.

Bezug der Broschüre im Internet unter www.crm.de zum Download. Das Aktionspaket gibt es kostenlos per Fax unter: 0211 / 9 04 29 69 oder E-Mail: mittelmeer@crm.de

Mehr zum Thema

Übertragung via Mücken, Zecken oder Sandfliegen

S1-Leitlinie: Arbovirosen erkennen und diagnostizieren

Anpassungsvorgänge brauchen Zeit

Höhenkrankheit bei Kindern und Jugendlichen: Das gilt es zu beachten

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

© Vladimir Vladimirov | iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Round-Table-Gespräch

Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

© Aitor Diago | Getty Images

Wer, wann, womit?

Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren

Lesetipps
Sehr viele unterschiedliche Tabletten liegen auf einem weißen Tisch.

© DhanaStudio / Generated with AI

Damit die Behandlung anschlägt

Intensivierung bei therapieresistenter Hypertonie: Wie vorgehen?

Einzelne Bilder von Lebensmitteln die reich an Histamin sind.

© PhotoSG / stock.adobe.com

Mythos mit Nebenwirkungen

Verdacht auf Histaminintoleranz: Wie Sie jetzt vorgehen

Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom