Ärzte Zeitung, 01.04.2009

Sind Lehrer in Deutschland überfordert?

Keineswegs faul, aber doch häufig an den Grenzen ihrer Möglichkeiten - Deutsche leiden mit ihren Lehrern.

Von Basil Wegener

Voller Einsatz im Unterricht: Von Lehrern wird nicht nur in der Schule viel erwartet.

Foto: imago

Gutes Gehalt, ein sicherer Arbeitsplatz und viel Freizeit - solche Annehmlichkeiten schienen über Jahrzehnte das Bild der Lehrer in Deutschland zu prägen. Die Vorstellung von Pädagogen als "faulen Säcken" ist auch in den Augen der meisten Bundesbürger vorbei. Zwar haben viele immer noch eine mäßige Meinung von den Lehrern. Doch finden mehr als zwei von drei Deutschen die Pädagogen in den vorherrschend großen Klassen mit ihren Leistungsunterschieden heute überfordert.

Dass Lehrer besonders viel Freizeit hätten, meinen nur 37 Prozent der Bürger. "Das spielt eine untergeordnete Rolle", sagte die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, in Berlin. Viel Geld verdienen sie nach Meinung von 32 Prozent, so die neue Erhebung. Mehr als die Hälfte der Bürger finden hingegen: Lehrer haben es anstrengend, tragen große Verantwortung, müssen viele elterliche Erziehungsfehler bei den Kindern ausbügeln - und klagen auch entsprechend über ihre Lage.

Was erwartet die Gesellschaft von Schulen?

Was will die Gesellschaft überhaupt von den Schulen und ihrem Personal? Klar: Wissensvermittlung - hier schneiden die Schulen trotz PISA-Schock überraschend gut ab. Naturwissenschaftliche und historische Kenntnisse sind den meisten dabei übrigens weit weniger wichtig als Allgemeinbildung, Sprache, Mathe und Englisch. Viele erwarten aber auch, dass die Schule stärker zum Ort für Persönlichkeitsbildung und Sozialkompetenz wird.

Und dann kommen immer wieder neue Spezialwünsche: Je nach Themenkonjunktur sollen die Schulen zu gesunder Ernährung, bewusstem Umgang mit den Medien oder anderen Dingen des Alltags anhalten. Der Vorsitzende des Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagt: "Die Lehrer können die riesigen Erwartungen nicht erfüllen." So müssten sie zwar selbstverständlich auch erziehen - aber Defizite aus dem Elternhaus ausbügeln könnten sie nicht.

Die intensivere Bildungsdebatte hat die Gesellschaft erreicht. Dass die Klassen zu groß sind, dass Lehrer den teils schwierigen Stoff angemessen vermitteln müssen, dass Schüler ausländischer Herkunft mehr Sprachförderung brauchen - das alles gehört zur Mehrheitsmeinung.

Nachwuchsmangel in den Naturwissenschaften

Lieblingsthemen mancher Bildungspolitiker rangieren in der Sicht der Leute mit jeweils unter zehn Prozent dagegen weit hinten, etwa die Möglichkeit größeren Wettbewerbs zwischen den Schulen oder der Zeitpunkt der Einschulung. Problematisch wird das Lehrer-Image wegen des Nachwuchsmangels. Bundesländer werben sich bereits gegenseitig gute Lehrer ab. Vor allem in den MINT-Fächern - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - gehen den Schulen die Lehrkräfte aus. Helfen soll nun auch ein Lehrerwettbewerb, für den Schüler und Lehrer charismatische Pädagogen sowie Beispiele von fächerübergreifendem Lehren und Team-Unterricht melden können. "Wir wollen das Lehrer-Image in Deutschland verbessern und den Lehrerberuf aufwerten", sagt Meidinger. (dpa)

www.lehrerpreis.de

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