Ärzte Zeitung online, 15.05.2019

Mikrotraumata

O-Beine durch intensives Fußballspielen

Wiederholte Mikrotraumata bei intensivem Fußballtraining in der Jugend erhöhen wohl das Risiko für die Entwicklung von O-Beinen.

O-Beine durch intensives Fußballspielen

O-Beine gibt es auch bei einigen (ehemaligen) deutschen Nationalspielern.

© Revierfoto / dpa / picture alliance

JENA. Ein intensives Fußballtraining in der Jugend erhöht das Risiko für die Entwicklung von O-Beinen signifikant. Das hat erneut eine Studie ergeben, die beim Internationalen Kongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) vorgestellt wurde.

Die Metaanalyse umfasst internationale Studien mit über 1300 jungen männlichen Leistungssportlern im Fußball und eine vergleichbar große Kontrollgruppe, wie die GOTS mitteilt.

„Der Hauptgrund dafür scheint in den noch aktiven, offenen Wachstumsfugen begründet. Diese schließen sich regelhaft bei Mädchen zum 14. / 15. Lebensjahr, bei Jungen erst zum 16. Lebensjahr. Möglicherweise entstehen durch intensives Training bei wiederholten Mikrotraumata schädigende Effekte am Schienbeinkopf.

Daraus können später Deformitäten am Schienbein resultieren“, wird Studienautor Dr. Florian Wolf, LMU München, in der Mitteilung zitiert. Durch die O-Deformierung werden die Strukturen auf der Innenseite des Kniegelenkes stärker belastet.

Dies könne mit zunehmendem Alter zu einer Kniegelenks-Arthrose bis zur Notwendigkeit eines künstlichen Kniegelenkes führen, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Forscher betonen allerdings, dass ihre Ergebnisse nicht auf den Breitensport zu übertragen sind.

Analyse der Beingeometrie

Wolf und Kollegen raten dazu, Patienten mit O-Beinen oder Schmerzen am inneren Kniegelenksspalt sorgfältig klinisch und radiologisch zu untersuchen und einer Analyse der Beingeometrie zu unterziehen.

Abhängig vom Grad der Abweichung und der Beschwerden sei eine Achskorrektur der Beine zu erwägen, so die Mediziner. „Dabei greifen wir operativ je nach Ort der Deformität am Schienbeinkopf oder Oberschenkelknochen in Kniegelenksnähe, selten auch an beiden Knochen ein“, erinnert Wolf.

Bei der klassischen Methode werde nach Durchtrennung des Knochens mit Platten die korrekte Beinachse fixiert. Falls bei einer begleitenden Verdrehung der Knochen die Füße sehr weit nach innen oder außen stehen, die Hüften ungünstig eingestellt sind oder gar zusätzlich eine Beinlängendifferenz vorliegt, werde eine Korrektur mit Marknägeln bevorzugt.

Besonders die Umstellungs- und / oder die Verlängerungs-Operationen mit Marknägeln ließen sich minimal-invasiv durchführen. Die Patienten benötigten im Anschluss durchschnittlich vier bis sechs Wochen Gehstützen und könnten dann wieder sportlich aktiv sein.

Eine nur leichte O-Bein-Stellung ohne anhaltende Beschwerden sollte zunächst konservativ behandelt werden, so die Sportmediziner. Spitzenbelastungen sollten vermieden und die Muskulatur gestärkt werden, außerdem empfehlen sie eine Schuhaußenranderhöhung und die Gabe von Entzündungshemmern. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Schmerzmittel per Drohne, Roboter auf Kassenkosten

Zur Eröffnung des Hauptstadtkongresses trafen blühende Phantasie, Extremforderungen und regulatorischer Pragmatismus aufeinander. mehr »

"App auf Rezept ist ein toller Vorschlag"

Der Hauptstadtkongress ist gestartet. Im Video-Interview mit der „Ärzte Zeitung“ erläutert Kongresspräsident Ulf Fink die Schwerpunkte des Kongresses und spricht darüber, wie die Digitalisierung der Gesundheitsbranche gelingen kann. mehr »

„Auto-befundende Systeme auf Vormarsch“

Im Video-Interview beim Hauptstadtkongress erläutert der Leiter des IGES Instituts, Professor Bertram Häussler, warum die Datenautobahn immer noch nicht befahrbar ist und was der Digitalisierung noch im Wege steht. mehr »