Im Stehen zu radeln schützt vor Impotenz

NEU-ISENBURG (ts). Wenn Radsportler Angst haben, durch das lange Sitzen auf einem harten schmalen Rennsattel impotent zu werden, können sie beruhigt werden. Beim Radeln wird zwar die Durchblutung des Penis vermindert. Aber dagegen kann etwas getan werden, etwa durch häufiges Fahren im Stehen. Auch auf den Rennsattel kommt es an: Sogenannte Frauen-Sättel reduzieren die Durchblutung weniger als klassische Männer-Sättel.

Veröffentlicht:

Eine vor vier Jahren von Urologen der Universität Köln zusammen mit der Kölner Sporthochschule gemachte Untersuchung hat ergeben, daß bei Radsportlern eine erektile Dysfunktion dreimal so häufig ist wie bei Männern, die nicht radfahren. Die Angst mancher Radsportler, impotent zu werden, ist also nicht unberechtigt. Eine mögliche Ursache der Erektionsstörung kann eine verminderte Penis-Durchblutung sein.

Der Urologe und Androloge Privatdozent Frank Sommer von der Kölner Universität hat daher untersucht, ob Radfahren die Penis-Durchblutung beeinflußt und auf welche Faktoren es dabei ankommt (der mann 1, 2004, 28).

Untersucht wurde dabei zum Beispiel der transkutane penile Sauerstoff beim Radeln im Sitzen und im Stehen sowie in Abhängigkeit von der Art des Sattels. Die wichtigsten Ergebnisse: Der penile Sauerstoffdruck nimmt während des Radfahrens in aufrecht sitzender Position signifikant ab. Wird nur kurzfristig - etwa eine Minute - im Stehen gefahren, steigt der Druck jedoch wieder signifikant an. Breite und besonders gut gepolsterte Sättel - sogenannte Frauen-Sättel - vermindern die Sauerstoffversorgung des Penis signifikant weniger als übliche Rennsättel für Männer. Von Vorteil für die Durchblutung ist außerdem eine Aussparung oder ein Loch im Sattel, wie Untersuchungen von Sommer mit 18 unterschiedlichen Rennsätteln ergeben hat.

Ein weiteres Resultat dieser Untersuchungen, die im Juni-Heft des Radsport-Magazins "Tour" veröffentlicht worden sind, ist nach Angaben von Sommer, daß zwischen Durchblutung und Sitzkomfort so gut wie kein fester Zusammenhang besteht. Ein Sattel, der gut für die Durchblutung ist, kann also als sehr unbequem empfunden werden. Und ein bequemer Sattel kann schlecht für die Durchblutung sein. Außerdem: Zwischen Preis und Einfluß auf die Durchblutung besteht ebenfalls kein Zusammenhang.

Aufgrund seiner Untersuchungen empfiehlt Sommer:

  • einen Wechsel zwischen Fahren im Stehen und Sitzen etwa alle zehn Minuten.
  • Der Sattel sollte exakt parallel zum Boden oder leicht ( ein bis drei Grad) nach unten geneigt sein.
  • Der Abstand zwischen Sattel und Pedal sollte nicht zu groß sein, der Fahrer sollte noch treten können, ohne daß die Beine völlig gestreckt sind.
  • Vor allem sehr schwere Fahrer sollten breite und gut gepolsterte Sättel verwenden.

Übrigens: Daß langes Sitzen auf einem harten Sattel schlecht ist für die Potenz, ist keine besonders neue Erkenntnis: Schon Hippokrates habe, so Sommer, berichtet, daß viele Skythen (Nomadenvolk, ansässig nördlich des Schwarzen Meeres) impotent gewesen seien. Der mögliche Grund: Die Skythen waren ein Reitervolk, verbrachten also täglich mehrere Stunden auf einem Pferderücken.

Mehr zum Thema

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Ergänzung zu Antibiotika?

Mit intravaginaler Ascorbinsäure gegen bakterielle Vaginose

Lesetipps
Eine Krankenschwester misst die Temperatur einer älteren Frau mit einem berührungslosen Infrarot-Thermometer.

© amnaj - stock.adobe.com

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!