Ärzte Zeitung, 14.09.2005

KOMMENTAR

Der Staat hat gezahlt, was tut der Sport?

Von Pete Smith

Der Topf ist leer, die letzte Zahlung aus dem vor drei Jahren von der Bundesregierung eingerichteten Entschädigungsfonds für Opfer des DDR-Dopingsystems erfolgt. 193 von geschätzten 1000 ehemaligen DDR-Spitzensportlern, denen heimlich oder zwangsweise Dopingsubstanzen verabreicht wurden, erhielten je 10 400 Euro, insgesamt also zwei Millionen Euro. Reicht das?

Natürlich reicht es nicht. Viele der Dopingopfer leiden heute an den Spätfolgen des Anabolika-Konsums: an Leberschäden, Skelettverformungen, Hirsutismus, Unfruchtbarkeit, Depressionen und vieles mehr. Manche brachten Kinder mit Fehlbildungen zur Welt, die ihr ganzes Leben lang auf Unterstützung angewiesen sein werden.

Da sind gut 10 000 Euro der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Aber immerhin hat der Bund überhaupt gezahlt - zwar mit Druck, aber ohne Zwang, denn rechtlich war er dazu nicht verpflichtet.

Anders der organisierte Sport. Zwar hat der Deutsche Sport-Bund zumindest das Beratungsbüro der Dopingopferhilfe unterstützt - das Nationale Olympische Komitee weigert sich bislang jedoch beharrlich, Geld an die DDR-Opfer zu zahlen.

Dabei hat das bundesdeutsche NOK nach der Wende das Vermögen des DDR-NOK übernommen und steht somit zumindest moralisch in der Pflicht. Ob es darüber hinaus rechtlich verpflichtet ist, wird wohl ein Gericht entscheiden - Klagen liegen bereits vor.

Lesen Sie dazu auch:
Zahlungen für DDR-Dopingopfer abgeschlossen

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