Ärzte Zeitung, 06.11.2012

Für Deutschland

Anti-Doping-Gesetz gefordert

DÜSSELDORF (dpa). Der Pharmakologe Fritz Sörgel hält ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland für dringend erforderlich. Da Politik und Sport einem solchen Vorhaben reserviert bis ablehnend gegenüberstehen, soll nach seiner Vorstellung nun der erste Mann im Staat das Heft des Handels in die Hand nehmen.

"Ich denke, es wäre eine Aufgabe, die beim Bundespräsidenten liegen könnte", sagte Sörgel im Interview der Nachrichtenagentur dpa. "Er ist für mich die neutrale Position, die so eine Kommission ins Leben rufen könnte."

In einem Gremium sollten Juristen, aber auch Naturwissenschaftler, Mediziner, Philosophen und Theologen mit den Beratungen über ein solches Gesetz beauftragt werden.

"Man müsste sich anstrengen und die richtigen Leute zusammenbringen", sagte der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg bei Nürnberg.

"Es müssen richtig dicke Bretter gebohrt werden. Deutschland soll Vorbild werden."

[06.11.2012, 12:42:31]
Dr. Horst Grünwoldt 
Anti-Doping-Gesetz
Das Arzneimittel-Gesetz regelt stringent den Umgang mit pharmakologisch wirksamen Stoffen. Wozu braucht es da noch ein "Anti-Doping" - Gesetz?
Das möge uns der Herr Professor Sörgel einmal schlüssig erklären!
Nun soll gar "der erste Mann im Staat", der frühere Pastor und jetzige Bundespräsident Dr. hc. J. Gauck dazu als Gesetzes- Türöffner in´s Parlament dienen.
Seine neutrale Position beschränkt sich normalerweise auf repräsentative Staatsaufgaben, besonders in der Auslandsvertretung deutscher Interessen. Daneben darf er selbstverständlich im Inneren auch angemessene Kritik am politischen Handeln der Regierenden üben. Außerdem kann er auch die Schirmherrschaft über gemeinnützige Projekte übernehmen. Am gesetzgebenden Parlament vorbei ein "Anti-Doping-Gesetz" auf den Weg zu bringen, gehört gewiß nicht zu seinen präsidialen Aufgaben.
Wenn die Fachleute (Sportpolitiker und -mediziner) dem Ansinnen bisher ablehnend gegenüber stehen, was sollen dann wohl Theologen und Philosophen in dem Gremium bewirken?
Oder soll das Thema "doping"/ Arzneimittel-Mißbrauch nunmehr auf die diffuse "ethische" Schiene im Sinne eines Sittencodex verschoben werden?
Der sog. Anti-doping-Kampf hat sich nach m.E. alleine darauf zu konzentrieren, die gutgläubigen Athleten -insbesondere die Jugendlichen- medizinisch/pharmakologisch unermüdlich über die Gefahren des Medikamenten-Mißbrauchs am Gesunden aufzuklären und damit jedweder Quacksalberei vorzubeugen. Und an dieser Front kämpfen die Doping-Experten bisher zu wenig.
Stattdessen werden nach wie vor dumpfe Gerüchte über sagenhafte Wirkungen von Produkten aus der Pharmaküche gestreut, die einen Athleten angeblich nicht nur zum Sieger über andere machen können, sondern zugleich auch noch zum Leistungs-"Betrüger" abstempeln.

Der Gesetzgeber sollte sich meines Erachtens endlich einmal dafür interessieren, wie über die sog. Verbands-Gerichtsbarkeit übergeordnete bürgerliche Grundrechte der Berufssportler unzulässig ausgehebelt werden.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

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