Ärzte Zeitung, 05.03.2009

Kommentar

Was ein Antidot zu Atriomed sein kann

Von Dirk Schnack

Das MVZ Atriomed hat in Hamburg von Beginn an höhere Wellen als an anderen Standorten geschlagen. Der Grund: Wenn in Hamburg ein Arztsitz aufgekauft wird, kann dieser im gesamten Stadtgebiet verlagert werden. Entsprechend groß sind die Auswirkungen auf die Versorgung. Weil die Patienten nicht mit dem Arztsitz mitwandern, überfüllen sie die verbliebenen Praxen.

Dass sich der MVZ-Betreiber damit keine Freunde unter Vertragsärzten machen würde, war vorauszusehen. Doch anders als etwa bei Krankenhäusern besteht praktisch kein Drohpotenzial seitens der Praxisinhaber - der Atriomed-Betreiber ist nicht auf einweisende Ärzte angewiesen. Auch scheint das Atriomed finanziell einen langen Atem zu haben.

Denn trotz der Anfangsinvestitionen ließ man sich bis zum August Zeit mit der Eröffnung - kein Freiberufler hätte diese lange Zeitspanne ohne Einnahmen überstanden. Das Beispiel zeigt, über welche Ressourcen die mit den Ärzten konkurrierenden Anbieter verfügen. Ärzte können das beklagen, aber nicht ändern. Gefragt sind eigene Konzepte. Niedergelassene Kollegen können zum Beispiel selbst Zentren gründen oder mit den Betriebskassen kooperieren, die bei MVZ auf niedergelassene Ärzte setzen.

Lesen Sie dazu auch:
"MVZ verschlechtert die Versorgungssituation"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »