Ärzte Zeitung, 17.07.2009

Wettbewerb um Hausärzte ist längst eröffnet

Bürgermeister auf dem Lande müssen in Zukunft mit Anreizen locken, um niedergelassene Hausärzte für ihre Gemeinden zu gewinnen.

Von Marion Lisson

Besorgte Bürgermeister mit Dame: Dr. Wolfgang Stütz (3.v.l.) von Medi und die SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt bei der Podiumsdiskussion. i

Foto: mm

BRETTEN. "Da sich in immer mehr Gemeinden keine jungen Hausärzte mehr niederlassen wollen und Praxen nicht mehr besetzt werden können, müssen wir handeln", sagte Eberhard Roth, Bürgermeister von Sulzfeld, einer kleinen baden-württembergischen Gemeinde in der Nähe von Karlsruhe.

Seine Vorschläge: Die Gemeinden sollten über mietfreie Praxisräume nachdenken oder kostenlose Bauplätze im Stadtinneren für private Investoren anbieten. Dort könnten dann Gesundheitszentren entstehen. In seiner Gemeinde Sulzfeld, so berichtete Roth, habe sich schon ein privater Investor, der zudem aus der Region komme, für solch ein Projekt gefunden. Das werde klappen, zeigte er sich bei einer Protestveranstaltung in Bretten zuversichtlich.

Eingeladen hatte die Ärzteschaft Bretten und Umgebung unter Moderation von Dr. Wolfgang Stütz vom Medi-Verbund in Karlsruhe-Land.

"Wir brauchen auch auf dem Lande ein gut funktionierendes, wohnortnahes Gesundheitswesen", betonte Roth, der für die Freien Wähler Fraktionsvorsitzender des Kreistags in Karlsruhe ist. "Die Botschaft, was auf die Gemeinden zukommt, wenn keine Praxen mehr besetzt werden können, ist bei den Bürgermeistern angekommen", sagte Stütz.

"Knallharter Wettbewerb um junge Familien"

Unter den Gemeinden herrsche ein knallharter Wettbewerb um junge Familien. Da reiche es nicht aus, nur in Schulen und Bildungseinrichtungen sowie die Verkehrserschließung zu investieren. Das Gesundheitswesen, und damit das Angebot an niedergelassenen Ärzten sei dabei von genauso großer Bedeutung.

"Zur Zeit kann ich nur jedem Kollegen abraten, sich auf dem Land niederzulassen", machte Dr. Christoph Haag, Hausarzt aus Oberderdingen, klar. Seit 25 Jahren arbeite er in der Regel 90 bis 110 Stunden in der Woche in seiner Praxis. "Die jetzigen Regelleistungsvolumina machen es uns jetzt unmöglich, einen Weiterbildungsassistenten einzustellen", so Haag. Dass die schwierige Situation der Mediziner ein Umdenken in der Ärzteschaft erforderlich macht, darauf wies FDP-Vertreter Ullrich Eidenmüller hin. Bis 2008 ist Eidenmüller 24 Jahre lang Bürgermeister der Stadt Karlsruhe gewesen.

"Wir werden es sicher nicht schaffen, dass es künftig in jedem Ort noch einen niedergelassenen Arzt gibt", sagte er. Dennoch müsse eine Infrastruktur erhalten oder aufgebaut werden, die eine schnelle Versorgung der Patienten möglich mache.

Dass der SPD dabei vor allem das Überleben von Hausarztpraxen auf dem platten Land am Herzen liegt, betonte Ute Vogt, Landesvorsitzende der SPD Baden-Württemberg. Man überlege auf Landesebene, welche Anreize für hausärztlich tätige Mediziner geschaffen werden könnten, sich in ländlich gelegenen Gemeinden niederzulassen. Fachärzte dagegen würden künftig eher in größeren Gemeinden und Städten vorzufinden sein, vermutete die Landtagsabgeordnete.

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