Ärzte Zeitung, 05.07.2010
 

Kommentar

Reine Luft über den Stammtischen

Von Jürgen Stoschek

Unerwartet deutlich hat sich in Bayern beim Volksentscheid am Sonntag eine Mehrheit für einen konsequenten Schutz der Nichtraucher ohne Ausnahmen entschieden. Das ist nicht nur ein klares Signal für den Gesundheitsschutz, sondern könnte auch die Diskussionen um ein striktes Rauchverbot im übrigen Bundesgebiet erneut beleben.

Die Erfahrungen aus dem europäischen Ausland, aus Italien, Frankreich oder aus Irland, zeigen, dass Rauchverbote ohne Ausnahmen auch von den Rauchern akzeptiert werden und keineswegs zu einem Kneipensterben führen. Dafür sinkt die Zahl der Herzinfarkte, berichten zum Beispiel Ärzte in Italien. Tatsächlich dürften vor allem die Beschäftigten in der Gastronomie aufatmen, für die in Bayern ab 1. August ein ungeteilter Gesundheitsschutz gilt. Künftig gibt es keine Kellner und Kellnerinnen "2. Klasse" mehr, die unter Schadstoffbelastungen arbeiten müssen, die in anderen Wirtschaftszweigen längst nicht mehr toleriert werden und zu strengen Auflagen geführt haben.

Schon jetzt sei die Prognose gewagt: Die vielbeschworene bayerische Wirtshauskultur wird am konsequenten Nichtraucherschutz keinen Schaden nehmen. Im Gegenteil: Die Luft über den Stammtischen wird rein.

Lesen Sie dazu auch:
Bayern stimmen gegen den blauen Dunst

[06.07.2010, 15:02:49]
Martin Mahr 
Mündige Bürger
Ich stimme Ihnen zu, dass sich das Rauchverbot positiv auf die Gesundheit der Betroffenen auswirken wird, nur ist es wie immer im Leben, man sollte immer maßvoll bei solchen Entscheidungen vorgehen. Man sollte in einer Gesellschaft immer dem "mündigen Bürger" eine Entscheidungsfreiheit geben und nicht wie ein kleines Kind an der Hand durch das Leben führen! Ich denke Ihre Theorie vom fehlenden ökonomischen Schaden der Gastronomie ist mit Verlaub ganz schön blauäugig - zumindest, falls man sich gezielt kleiner Kneipen anschaut. Die Politik in Hessen ist nicht umsonst zurück gerudert und ist nicht umsonst den vernünftigen Kompromiss mit kleinen Ausnahmen eingegangen. Die kleine Kneipe an der Ecke, die auf Stammkunden spezialisiert ist (meistens Raucher) muss zwangsläufig über kurz oder lang die Türen schließen. Es ist nun einmal Fakt, dass ein Raucher zu seinem Bier gerne eine Zigarette raucht und dies tut er auch weiterhin, nur nicht mehr in der kleinen Kneipe an der Ecke, wo er dies schon über Jahre getan hat. Wenn Ihre geschäftliche Existenz bedroht wäre, so wie es hier der Fall ist, dann würden Sie die Sachlage ganz anders einschätzen. Ich habe Mitleid, mit dem armen Besitzer, der vielleicht sogar selbst in seinen eignen Räumlichkeiten nun nicht mehr Rauchen darf und dann auch noch Abend für Abend zusehen muss, wie er sich zukünftig die Pacht nicht mehr leisten kann. Ich bin froh in Hessen zu Leben, in einem Land in dem man den Menschen die ureigene Entscheidung zutraut - gehe ich durch die Tür mit dem Schild "Raucher Kneipe, Zutritt ab 18", oder nicht... Das Statistische Bundesamt hat übrigens Ende 2007 bereits bei den sogenannten „getränkegeprägten“ Gaststätten einen signifikanten Rückgang des Umsatzes festgestellt (http://www.welt.de/wirtschaft/article2073134/Kneipen_und_Diskos_fehlt_das_Geld_der_Raucher.html)

und zum europäischen Ausland hier noch ein Bericht vom Kneipensterben in Irland (http://www.tagesschau.de/multimedia/audio/audio19492.html)
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