Ärzte Zeitung, 13.10.2010

Von der Staatskanzlei ins Sozialministerium

Sieben Jahre war Stefan Grüttner Leiter der Staatskanzlei des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Nach dessen Rücktritt zog er aus der Staatskanzlei aus und in das Chefzimmer des Sozialministeriums ein. Von dort versucht er, neue Felder in der Gesundheitspolitik zu besetzen.

Von Sabine Schiner

Von der Staatskanzlei ins Sozialministerium

"Politik ist die Kunst des Möglichen und die Chance, Lebensumstände zu gestalten." Stefan Grüttner (CDU), Hessischer Sozialminister

© CDU

WIESBADEN. Der 53 Jahre alte Stefan Grüttner ist Fan der Rolling Stones und spielt gerne Skat und Doppelkopf. Als Kind wollte er ein berühmter Handballer werden, seit einigen Wochen ist er Sozialminister in Hessen. Im neuen Amt ist es ihm ein Anliegen, Abschiedsräume in Kliniken zu schaffen und dafür zu sorgen, dass Ethikbeauftragte vor Ort sind: "Patienten sind keine Fallpauschalen", sagt Grüttner.

Sein Vorgänger und CDU-Parteikollege Jürgen Banzer hat das Krankenhaus- und Rettungsdienstgesetz überarbeitet und eine Bundesratsinitiative gestartet, die darauf abzielt, die finanzielle Situation der Belegärzte zu verbessern. Dazu steht auch Grüttner. Er will sich für eine ortsnahe ambulante Versorgung einsetzen und für Kliniken, die "in planbarer Entfernung und Zeit" erreichbar sind. Bisher sei die Versorgung viel zu sehr durch die Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung geprägt. Kliniken sollen deshalb künftig stärker als bisher kooperieren und Netzwerke mit niedergelassenen Ärzten bilden.

Gemeinden sollen stärker eingebunden werden

Geplant ist zudem, Kommunen stärker in die regionale Gesundheitsversorgung einzubinden. Landkreise, Städte, Kliniken, Krankenkassen, Landesärztekammer, KV und Patientenvertreter sollen auf gemeinsamen Gesundheitskonferenzen zusammenkommen.

Grüttner ist Diplom-Volkswirt, verheiratet, Vater zweier Söhne und wohnt in Offenbach. Als Landtagsabgeordneter hat er unter anderem Schutzmaßnahmen gegen Fluglärm auf den Weg gebracht, sich für kleinere Schulklassen und mehr Lehrer und für eine verstärkte Videoüberwachung in der Stadt eingesetzt.

Das Sozialministerium als Gesellschaftsministerium

Zuletzt war er Leiter der Staatskanzlei in Wiesbaden. Politik ist für Grüttner, wie er auf seiner Homepage mitteilt, die "Kunst des Möglichen und die Chance, Lebensumstände zu gestalten." In einer seiner ersten Amtshandlungen hat er das Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit kurzerhand in Sozialministerium umbenannt. Es sei "quasi ein Gesellschaftsministerium", findet er. Der neue Titel werde den vielfältigen Aufgaben besser gerecht. Kümmern will er sich beispielsweise auch darum, dass Menschen in der letzten Lebensphase nicht alleine sind. "Wir müssen den Menschen in der größten Grenzerfahrung mit Würde begegnen und ihnen und ihren Angehörigen einen würdigen Abschied gewährleisten."

Die Gesundheitspolitik ist für Grüttner, der von 1986 bis 1991 im rheinland-pfälzischen Sozialministerium gearbeitet hat und von 1991 bis 1995 Sozialdezernent der Stadt Offenbach war, kein Neuland. Im Wiesbadener Landtag muss er trotzdem erstmal zeigen, was er kann. Die Opposition lässt in den Plenardebatten zu den Gesetzesentwürfen aus dem Sozialministerium kein gutes Haar an den Vorschlägen der Regierung. Den Grünen gehen die Entwürfe nicht weit genug, sie warten auf ein umfassendes Konzept. Und der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dr. Thomas Spies, trauert Banzer nach. "Er war der einzige, mit dem man an der Sache orientiert diskutieren konnte."

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