Ärzte Zeitung, 03.05.2011

Kommentar

Charité in der Zwickmühle

Von Angela Mißlbeck

Wenn der Vorstand der Charité Berlin könnte, wie er wollte, wäre an Deutschlands größter Uniklinik alles in bester Ordnung. Es gäbe keinen Streik der Pflegekräfte, der die Charité täglich eine halbe Million Euro kostet.

Eigentlich sind sich die Tarifpartner einig: Die Pflegekräfte sollten genauso viel verdienen wie an anderen Kliniken Berlins. Gerade in Zeiten des wachsenden Pflegefachkräftemangels betrachtet das nicht nur die Gewerkschaft verdi, sondern auch der Charité-Vorstand als Gebot der Stunde. Es verwundert, wie eine Klinik mit Weltruf es sich leisten kann, ihren Pflegekräften zehn Prozent weniger Lohn zu zahlen als allgemein üblich.

De facto ist die Charité aber auf hartem Sanierungskurs. Die Landesregierung fordert, dass der angeschlagene Dampfer ein Defizit von knapp 18 Millionen ausgleicht.

Schon jetzt hat die Charité daher angekündigt, dass die Tarifrunde für die Ärzte mit dem Marburger Bund im Herbst ausfallen soll. Doch zunächst muss sie den Knoten in Sachen Pflege lösen.

Hier könnte ihr die viel gescholtene Politik zu Hilfe kommen. Denn in knapp einem halben Jahr wird an der Spree gewählt. Wer will in dieser Situation schon mehr als 100 sichere standortgebundene Arbeitsplätze aufs Spiel setzen?

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Charité: Großes Verständnis für streikende Mitarbeiter

Lesen Sie dazu auch:
Charité und Gewerkschaft wollen wieder verhandeln

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »