Ärzte Zeitung, 22.09.2011

Bremen: Heroin in Kinderhaaren

Vernachlässigt, verwahrlost, verloren: Der Tod des kleinen Kevin in Bremen hat den Jugendämtern heftige Kritik eingebracht. Bundesweit haben die Behörden reagiert. In Bremen wurden jetzt Haarproben von Kindern untersucht - die Ergebnisse sind erschreckend.

Haarproben Bremer Kinder weisen Drogenspuren auf

Haarprobe zur Analyse: In Bremen fand die Sozialbehörde Drogenspuren in Kinderhaaren.

© Riediger / nordpool / imago

BREMEN (cben). Erneut Drogenspuren in den Haaren von Bremer Kindern. Bei 21 von 30 untersuchten Kindern fanden Ärzte Spuren von Heroin, Kokain, Cannabis sowie Methadon im Haar. Das teilte Bremens Sozialbehörde mit.

Die Ergebnisse stammen von verdachtsunabhängigen Untersuchungen des Institutes für Rechtsmedizin an der Berliner Charité, die von der Behörde in Auftrag gegeben worden waren.

In 15 der 21 positiven Fälle wurden "sehr geringe" oder erhöhte Konzentrationen gefunden. Zehn davon gelten als "Nachweis für den Umgang mit der Droge in der Umgebung des Kindes".

Eine Aufnahme durch den kindlichen Körper kann in diesen zehn Fällen anhand der Befunde klar ausgeschlossen werden, so die Bremer Sozialbehörde.

Verhältnisse werden jetzt geprüft

Die Untersuchung der 30 Proben war die zweite Welle der Untersuchungen nach einer ersten im Mai. Neben den verdachtsunabhängigen Durchläufen habe es zwischen Mai und Juli 2011 außerdem sechs Kinder gegeben, bei denen die Haarproben aufgrund eines konkreten Verdachts genommen wurden, hieß es.

In allen Fällen fanden sich Drogenspuren im Haar der Kinder, in fünf davon war die Konzentration gering, in einem Fall gehen die Mediziner von einer Aufnahme durch den Körper aus, hieß es.

Als Konsequenz hat die Sozialbehörde angekündigt, die Lebensverhältnisse der Kinder zu prüfen. "Die Ergebnisse sind von den Sozialzentren unverzüglich umgesetzt worden", so Sozialsenatorin Anja Stahmann.

"Es hat Gespräche mit den Familien und mit den Ärzten zum Beikonsum in den Familien gegeben. Wo notwendig, wurden Kinder aus den Familien herausgenommen."

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchesters bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »