Ärzte Zeitung, 13.10.2011
 

Norddeutsches Pädiatrisches Intensivnetz geehrt

Durch die Arbeit des Netzes für pädiatrische Intensivmedizin in Hannover ist die Zahl der Todesfälle durch Sepsis gesunken.

Auszeichnung für norddeutsches Pädiatrisches Intensivnetz

Dr. Michael Sasse ist Leiter des pädiatrischen Netzwerkes in Hannover.

© MHH

HANNOVER (cben). Weltweit einmalig - und jetzt preisgekrönt. Dr. Michael Sasse von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Architekt des norddeutschen Pädiatrischen Intensivnetzwerkes (PIN), hat den B. Braun Critical Care Award 2011 erhalten.

Seit 2003 mit ingesamt 30 Kliniken

Sasse wurde für den Aufbau und die Koordination des Netzes ausgezeichnet, teilte die MHH mit. Das Netz arbeitet seit 2003, insgesamt gehören 30 Kliniken dazu. Die Intensivstation der MHH-Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin, wo die Fäden zusammenlaufen, hat 18 Betten.

Im Jahr 2003 wurden dort rund 600 Kinder versorgt. In diesem Jahr werden es wahrscheinlich etwa 1000 sein.

Das PIN erstreckt sich über ganz Niedersachsen und zum Teil auf benachbarte Bundesländer. 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche leben in seinem Einzugsgebiet. Anfangs beschränkte sich die Zusammenarbeit der Kliniken auf Blutvergiftungen, inzwischen kooperieren sie bei Notfällen jeder Art.

Todesfälle durch Blutvergiftung sind gesunken

Die Zahl der Todesfälle durch Blutvergiftung sei innerhalb des PIN auf zwei Prozent gesunken, erklärt Sasse: "Das entspricht der Rate einer Top-Klinik." Weltweit betrage die Todesrate 13 Prozent.

Wenn die medizinischen Kapazitäten einer anderen Klinik nicht ausreichen oder es um besonders komplizierte Notfälle geht, rufen die angeschlossenen Kliniken die Experten der MHH. Gemeinsam werde dann per Telefon oder direkt vor Ort in wenigen Minuten ein Notfallplan erstellt.

Mindestens einmal pro Woche sind Sasse und sein Team mit dem Rettungshubschrauber zu einem Notfall unterwegs. Kann das Kind nicht im dortigen Krankenhaus behandelt werden, kommt es in die MHH.

Weitergabe der Fachkompetenz bei Intensivbetreuung von Kindern

"Unser Ziel ist es, jederzeit in unserem Einzugsgebiet jedem Patienten eine möglichst optimale Therapie zu bieten", erklärt der Kinderarzt. "Innerhalb des Netzwerks geben wir unsere theoretische und praktische Fachkompetenz bei der Intensivbetreuung von Kindern an andere Kliniken weiter."

Die beteiligten Ärzte und Pflegenden treffen sich regelmäßig zu Workshops, Symposien und Vorträgen.

Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Die Sepsis-Gesellschaft vergibt die Auszeichnung jedes Jahr für innovative Arbeiten, die dazu beitragen, wissenschaftliche Nachweise in die klinische Praxis umzusetzen.

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