Ärzte Zeitung, 16.11.2011

Kommentar

Kein Pflaster gegen Tabaksucht

Von Anno Fricke

Tabaksucht ist eine Krankheit. Die Kosten, die die mit dem Tabakkonsum einhergehenden Krankheiten verursachen, sind hoch. 21 Milliarden Euro schätzen Volkswirtschaftler, jedes Jahr. Das sind sieben Milliarden Euro mehr, als die Tabaksteuer im Jahr in die Staatskasse bringt.

Die Gesellschaft übernimmt diese Kosten wie selbstverständlich. So wie sie auch die übernimmt für Menschen, die sich schlecht ernähren und dann mit einem Diabetes mellitus in der Arztpraxis aufkreuzen. Das ist die Logik eines auf Reparatur-Medizin gerichteten Gesundheitssystems.

Aber: Gegen die Krankheit Tabaksucht darf der Arzt keine Nikotinpflaster zu Lasten der Krankenkassen verschreiben, um damit zum Beispiel obstruktive Lungenerkrankungen zu verhindern. Auf deren Behandlung hätten Versicherte allerdings einen Anspruch nach Paragraf 27 SGB V.

Obwohl die Kosteneffektivität der Nikotinersatztherapien selbst IQWiG und GBA überzeugt haben, beharrt das liberal geführte BMG auf dem gesetzlichen Ausschluss.

Die Frage muss erlaubt sein: Ist das Prinzip von Freiheit und Eigenverantwortung höher zu bewerten als der Rechtsanspruch gesetzlich versicherter Tabaksüchtiger auf Behandlung?

Lesen Sie dazu auch:
Kassen sollen Rauchentwöhnung bezahlen

Topics
Schlagworte
Politik & Gesellschaft (76873)
Organisationen
IQWiG (1174)
Krankheiten
Diabetes mellitus (8807)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel

Es genügt ein Handy mit Vibrationsfunktion: An den Fuß eines Diabetespatienten gehalten, zeigt es Forschern zuverlässig an, ob dieser an einer peripheren Neuropathie leidet. mehr »

Pflegerat fordert 50.000 Stellen für die Krankenhäuser

Was hat die Pflegepolitik bewirkt? Die Meinungen sind gespalten: Gesundheitsminister Gröhe lobt die Erfolge der Koalition in der Pflegepolitik. Der Pflegerat hält dagegen. mehr »

Die Therapiekünste eines Kung-Fu-Meisters

Ein Kampfsportler stößt mit seinem Gesundheitskonzept bei Medizinern auf Interesse. Ein Arzt ist sogar geneigt, von einem Wunder nach der Therapie durch Chu Tan Cuong zu sprechen. mehr »