Ärzte Zeitung, 10.01.2013

Einbeck

Reiche wollen ihre Klinik retten

Das Städtchen Einbeck in Niedersachsen kämpft wie viele Kommunen um sein finanziell klammes Krankenhaus. Schon viele Inhaber haben sich die Zähne ausgebissen. Jetzt gehen die Bürger ihr Privatvermögen.

Von Christian Beneker

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Das 116-Betten-Krankenhaus in Einbeck in einer Luftaufnahme: Klinikmitarbeiter und Bürger der Stadt wollen die Einrichtung mit dem Griff in ihre Privatschatulle retten.

© AWO Sertürner Krankenhaus Einbeck GmbH

EINBECK. Wie die tapferen Schneiderlein. Einbeck und seine Bürger lassen nichts unversucht, um ihr 116-Betten-Krankenhaus zu retten und die wohnortnahe stationäre Versorgung, vor allem den Rettungsdienst, in der Stadt zu halten - trotz mächtiger Konkurrenz nur 20 Autominuten entfernt.

Nachdem sich bereits verschiedene Eigner die Zähne an dem Haus in der südniedersächsischen Stadt ausgebissen haben, wollen jetzt rund zehn Familien, darunter von Ärzten der Klinik sowie wohlhabende Bürger, das Sertürner-Krankenhaus aus ihren Privatschatullen retten. Sogar die Mitarbeiter der Klinik verzichten auf einen Teil ihrer Gehälter.

"Einmalig" und "bewundernswert", findet Sozialpolitiker und Mitglied im Landesvorstand der oppositionellen SPD, Uwe Schwarz, die Idee.

"Über die Höhe des Zuschusses wollen wir nichts sagen", erklärt der ärztliche Direktor des Hauses, Dr. Olaf Städtler, der selbst zu den Unterstützern zählt.

Die Geldspritze soll in den Eigenkapitalstock der Klinik-GmbH fließen. "Die Stadt will uns unbedingt halten", ist sich Städtler sicher.

"Mit der Beteiligung an der Liquiditätssicherung sowie durch Investitionszuschüsse geht die Stadt dabei an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Die Stadt allein hätte einen Erhalt des Krankenhauses aber nicht erreichen können", teilt das Krankenhaus mit.

In der Tat will der Rat der Stadt für die Liquidität und die Aussicht auf Investitionen sorgen. Und zwar per Investitionszuschuss, Bürgschaft oder Spende für die Stille Einlage, wie Bürgermeister Ulrich Minkner, ein Parteigenosse Schwarz', der "Ärzte Zeitung" bestätigt.

Das Haus soll aber nicht nur mit frischem Geld wieder auf die Füße kommen, sondern auch mit einem erweiterten Konzept.

In Zukunft soll es sich auf Schmerzmedizin und Palliativversorgung spezialisieren, die als Spezialität zur Grund- und Regelversorgung dazukommen. Ein weiteres neues Standbein soll die Traditionelle Chinesische Medizin werden.

Kassen sehen Bürgermodell kritisch

"Das Konzept ist stimmig und vom Deutschen Krankenhausinstitut geprüft", erklärt Städtler. Dass erst kürzlich das benachbarte Krankenhaus in Stadtoldendorf aufgeben musste, sieht er als Chance für Einbeck.

Allerdings hatte schon in Stadtoldendorf die Chinesische Medizin das Haus nach erfolgreichen Jahren letztlich nicht retten können.

Das Sertürner-Krankenhaus hat bereits einige Turbulenzen hinter sich: bis 2005 versorgte die Sertürner-Krankenhaus Einbeck GmbH ihre Patienten in 118 Planbetten.

2008 kooperierte man mit der Leine-Ilme-Gande Holding mit Krankenhäusern in Northeim, Einbeck und Bad Gandersheim. 2009 wurde das Haus an die Gesellschaft für Hospitalmanagement mbH in Ratingen (GeHoMa) verkauft und schließlich 2011/2012 an die AWO Sachsen-Anhalt.

Nach der Planinsolvenz in diesem Jahr legten die Ärzte ihre neue Planung vor und die Investoren Geld auf den Tisch. Für die Einkäufe der jeweils neuen Träger und die folgenden Investitionen dürften viele Millionen Euro geflossen sein. Rentabel wurde das Haus dadurch nicht.

SPD-Mann Uwe Schwarz ist gleichwohl vom Engagement der Bürger beeindruckt. "Die Mitarbeiter haben aus Solidarität auf acht Prozent ihres Gehaltes verzichtet - und das, während andere Häuser versuchen, sie abzuwerben!"

Vonseiten der Krankenkassen werden dem Einbecker Bürger-Projekt dagegen kaum Chancen eingeräumt.

"Was mit dem Konzept geschieht, kann man an Stadtoldendorf sehen, das im August geschlossen wurde", erklärt Dorothea Jahns, Referatsleiterin für die stationäre Versorgung beim vdek Niedersachsen.

Entscheidend für die Käufer und Investoren sei oft, dass das betroffene Haus im Krankenhausplan des Landes sei, so wie in Einbeck. "Die neuen Käufer setzen dann darauf, dass sie mit neuen Angeboten festen Boden unter die Füße bekommen", sagt vdek-Sprecher Hanno Kummer.

"Wir sehen das Einbecker Modell kritisch." Auch der SPD-Politiker Schwarz schätzt die Chancen auf Erhalt des Sertürner Krankenhauses auf "fünfzig, fünfzig".

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