Ärzte Zeitung, 13.02.2013
 

Komasaufen

Spahn fordert 100 Euro Strafe für Eltern

DÜSSELDORF Eltern, deren Kinder sich ins "Koma saufen", will der gesundheitspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), mit 100 Euro an den Behandlungskosten beteiligen.

"Die stark steigende Zahl jugendlicher Komatrinker, die in deutschen Krankenhäusern eingeliefert werden, ist nicht hinnehmbar", sagte Spahn. Dadurch werde unnötig Personal und Geld im Gesundheitswesen gebunden.

Nach Spahns Vorstellungen könnte dieser Betrag direkt an die Krankenkassen gezahlt werden. (dpa)

[14.02.2013, 10:45:09]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Morbus Spahn - "Postkarnevalismus"-Syndrom?
Die Alkoholindustrie promoted nur allzu gerne die "Närrischen Tage" mit massenweise Alkoholkonsum in Form von Bier- ("Irgendwann er(w)frischt es Jeden!"), Wein- oder hochprozentigem Schnapstrinken ("Jägermeister - Einer für Alle, Alle für Einen").

Weit über 2 Millionen Erwachsene feiern und betrinken sich aber auch ohne Karneval jedes Wochenende fußballbedingt. Meisterschafts- und Pokalfinalspiele begleiten über 10 Millionen mit exzessivem Alkoholkonsum. Politik, Öffentlichkeit, Medien, Parteien, Vereine und Familien bagatellisieren den Alkoholkonsum. In der Werbung wird immer jüngeres Zielpublikum angesprochen: Alkohol als Lebensbegleiter, Tröster, Konfliktlöser, Spaßmacher, Aufmunterer, Partykracher.

Und dann kommt ausgerechnet MdB Jens Spahn als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU daher, um bei den Eltern mit 100 Euro die Hand aufzuhalten, während der Staat rücksichtslos Milliarden-Steuereinnahmen über die Alkoholsteuer generiert? Und sich zugleich vorher auch noch schamlos an jugendlichen Rauschtrinkern bei ihrem Alkoholkonsum steuerlich bereichert?

A l l e GKV- und PKV-Versicherte zahlen extra fürs Koma-Saufen in a l l e n Altersgruppen. Und wir, als Steuerzahler, finanzieren die Versorgungsinfrastruktur für die Jungen und die Alten, die an der Flasche hängen. 25 % des staatlichen Alkoholsteueraufkommens müssten für präventive und kurative Maßnahmen in die Krankenversicherung fließen.

Aber bevor das kommt, würden sich Bundesregierungspolitiker und Abgeordnete vermutlich ebenso verzweifelt wie sinnlos betrinken, weil sie den Bundeshaushalt nicht mehr zusammen kriegen könnten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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