Ärzte Zeitung, 14.03.2016
 

Schulungen und Co.

Neues Geriatrie-Konzept in Rheinland-Pfalz

Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium hat das bestehende Geriatriekonzept fortgeschrieben. Künftig sollen auch Ärzte und Mitarbeiter in der Notaufnahme geriatrisch geschult werden.

Von Anne Zegelman

Stärkung der Geriatrie mit neuem Konzept

Ältere Dame im Krankenhaus: In der Notaufnahme soll geriatrischer Behandlungsbedarf erkannt werden.

© Grand / fotolia.com

MAINZ. Rheinland-Pfalz will das bereits bestehende Geriatriekonzept ausbauen und dafür Demenz stärker in den Blick rücken.

Der Demenz sei ein eigenes Kapitel im neuen Geriatriekonzept gewidmet, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) bei der Präsentation des neuen Konzepts, das von Landesgesundheitsministerium, Landesverband Geriatrie und Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz gemeinsam erarbeitet wurde.

Das Ministerium schätzt, dass im Jahr 2020 rund 23 Prozent der in Rheinland-Pfalz lebenden Menschen über 65 Jahre alt sein werden - der Anteil der über-80-Jährigen wird demnach von heute etwa 4,9 auf 7,3 Prozent der Bevölkerung steigen.

Eine bessere Krankenhausplanung, eine stärkere Vernetzung bestehender Strukturen und eine bessere Fort- und Weiterbildung sollen dabei helfen, dem zu begegnen.

Akteure vernetzen

Damit die geriatrische Versorgung optimiert wird, ist eine lückenlose Behandlungskette von ambulanter, stationärer, teilstationärer und rehabilitativer Geriatrie nötig.

Die Zusammenarbeit von Reha- und Akutbehandlung innerhalb neuer Netzwerke eröffne die Möglichkeit, Kompetenzen fachärztlicher Geriater dort zu nutzen, wo es erforderlich und für die Patienten nützlich sei, heißt es im Konzept.

Diese im Idealfall durch Kooperationsverträge festgezurrten Netzwerke sollen niedergelassene Ärzte sowie Allgemeinkrankenhäuser ohne eigene geriatrische Kompetenz beraten.

Neben dem Hausarzt komme auch den Notaufnahmen eine Lotsenfunktion zu, heißt es in der Ausarbeitung. Die "regelhafte Einbindung geriatrischer Kompetenz in die Notaufnahme" müsse als Qualitätskriterium gewertet werden: Ziel müsse es sein, in jeder Aufnahmesituation in einem Krankenhaus den geriatrischen Behandlungsbedarf eines Patienten zu erkennen und entsprechend strukturiert zu behandeln. Konkret könnte diese Kompetenz durch Personalschulungen in der Notaufnahme, der Einführung eines geriatrischen Assessments oder regelmäßige Teilnahme an Visiten der geriatrischen Abteilung geschaffen werden.

Auch die Versorgung von Demenzpatienten im Krankenhaus soll verbessert werden. Dafür hat das Gesundheitsministerium bereits 2013 ein Modellprojekt in Auftrag gegeben, in dem Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung und Betreuung an acht Krankenhäusern im Land erprobt wurden.

Konkrete Empfehlungen erarbeitet

Bestimmende Elemente sind hier zum Beispiel ein Screeningverfahren wie der "3-Wörter-Uhrentest" im Aufnahmegespräch bei allen Patienten über 70, die Qualifizierung von Personal in den Bereichen Medizin, Psychologie, Psychotherapie und Pflege sowie die Überprüfung und Optimierung des Entlassungsmanagements.

"Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse hat das Expertenforum Demenz Empfehlungen zur Planung und Sicherstellung der medizinischen Versorgung von Demenzpatienten herausgegeben, die nun allen rheinland-pfälzischen Krankenhäusern zur Verfügung stehen", so Bätzing-Lichtenthäler.

Ein weiteres Modellprojekt ist eine 2014 eröffnete Tagesklinik für Demenzkranke in Mainz - die erste ihrer Art. "Anstatt in der Krise kurzfristig ins Krankenhaus zur ,Notfallbehandlung‘ verlegt zu werden, was für demenziell Erkrankte eine ganz besonders große Belastung darstellt, muss der Patient bei der tagesklinischen Behandlung das gewohnte Umfeld nicht verlassen; ein Einbezug der Angehörigen ist hier besonders gut möglich", heißt es im Konzept. Die Arbeit der Tagesklinik wird durch die Universitätsmedizin Mainz wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Bätzing-Lichtenthäler sagte, auf Grundlage des Geriatriekonzeptes von 2009 sei die Versorgung an 30 Standorten im Land etabliert worden mit rund 1300 Betten sowie tagesklinischen Plätzen in Krankenhäusern und geriatrischen Reha-Einrichtungen. Das weiterentwickelte Konzept setze neue inhaltliche Schwerpunkte.

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