Ärzte Zeitung, 27.09.2016

Terrorgefahr

Rettungsdienste rüsten gegen Terror auf

Bombenexplosion, Messerattacke, Anschlagpläne: Deutschland sieht sich im Visier islamistischer Terrorgruppen. Nun rüsten sich die Rettungsdienste, auch für die Gefahr eines "Zweitschlags".

Rettungsdienste rüsten gegen Terror auf

© chris-m / fotolia.com

WÜRZBURG. Im Zuge der wachsenden Terrorgefahr in Deutschland verändern mehrere Bundesländer die Anforderungen an ihre Rettungsdienste. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, dass Bayern, Baden-Württemberg und Berlin die Ausrüstung von Rettungswagen ergänzt haben oder dies planen. Es geht unter anderem um Instrumente zum Abbinden stark blutender Gliedmaßen.

Berlin rüstete bereits 2013 seine Rettungswagen auf, Bayern tat das im Juni. Baden-Württemberg erarbeitet derzeit ein Konzept für eine erweiterte Ausrüstung. In Hessen will man an der Ausrüstung nichts verändern, hat aber eine Arbeitsgruppe von Ministerien und Hilfsorganisationen gebildet.

Viele der neuen Ausrüstungsgegenstände werden bisher vor allem beim Militär eingesetzt und sind im zivilen Bereich neu. Unter anderem geht es um die Ausstattung der Rettungswagen mit Tourniquets zum schnellen Abbinden stark blutender Gliedmaßen. Diese könnten zum Beispiel nach einer Bombenexplosion zum Einsatz kommen. Bayern führte zudem Wundverbände ein, die durch einen Wirkstoff lebensbedrohliche Blutungen von sich aus stillen.

In Berlin kamen neben Tourniquets spezielle blutungsstillende Medikamente neu auf die Fahrzeuge. Die Berliner Verwaltung gab als Grund für die Reform das Attentat auf den Boston-Marathon im April 2013 an. In München reagierte man nach den Anschlägen von Paris und Brüssel.

Alle übrigen Bundesländer fühlen sich bereits ausreichend auf einen Anschlag vorbereitet. In einigen, etwa dem Saarland, Bremen und Hamburg, gehören zumindest Tourniquets bereits seit längerem zur Ausstattung der Rettungswagen.

Auch für Krankenhäuser wird die Vorbereitung auf Terrorlagen immer wichtiger. Beispielsweise in Hannover wurde bereits zur Fußball-WM 2006 ein Notfallplan aufgestellt, in dem auch geregelt ist, wie sich Kliniken gegenseitig entlasten können, sagte Andreas Flemming von der MH Hannover. Zudem habe sich ein Markt für Fortbildungen zum Thema Terror gebildet. Das DRK schult seine Mitarbeiter etwa auf die Gefahr eines "Zweitschlags" hin. Ein Mitarbeiter sei derzeit bei einer Schwesterorganisation in Israel zur Schulung.

Um der Gefahr von Anschlägen zu begegnen, beschloss der Bund die Aufstellung von 61 Medizinischen Task Forces (MTF). Diese Verbände mit Ärzten, Sanitätern und Gerätewagen sollen bei Massenanfall von Verletzten die Versorgung länderübergreifend sicherstellen. Der Aufbau sei zu 80 Prozent abgeschlossen. (dpa)

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