Ärzte Zeitung online, 11.05.2017

Patientenberatung

UPD bekommt gute Noten von der Regierung

Die Unabhängige Patientenberatung leistet das, was die Koalition sich mit der Neuausschreibung erhofft hat.

BERLIN. Die Bundesregierung attestiert der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), die Anfang 2016 neu aufgestellt wurde, gute Arbeit zu machen. Anrufer würden im Schnitt weniger als 1,1 Versuche benötigen, um einen UPD-Mitarbeiter zu erreichen, heißt es in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen im Bundestag. Seit bald eineinhalb Jahren betreibt eine Tochtergesellschaft der Sanvartis GmbH die UPD. Das Duisburger Unternehmen unterhält als privatwirtschaftlicher Dienstleister Callcenter unter anderem für Krankenkassen oder Pharmaunternehmen. Daher hatte die Neuausschreibung der UPD heftige Kritik auch bei den Grünen ausgelöst.

Befürchtet wurden Interessenkollisionen, die zu Lasten einer unabhängigen Beratung gehen könnten. Dies bestätigt die Regierung nicht: Die seit September 2016 aktive Auditorin habe keine Verstöße gegen Neutralität und Unabhängigkeit festgestellt.

Ingesamt wird dem Betreiber eine "ausgesprochen positive Entwicklung" attestiert. Dazu gehöre die schnellere und erweiterte Erreichbarkeit der Berater. Beim bis Ende 2015 tätigen UPD-Anbieter hätten Anrufer dagegen 3,3 Versuche benötigt. Die erschwerte Erreichbarkeit für die Patienten ist seinerzeit als ein Grund für die Neuausschreibung der UPD genannt worden. Allerdings stehen dem neuen Betreiber im laufenden Jahr mit 10,14 Millionen Euro deutlich mehr Mittel zur Verfügung als noch 2015 – damals waren es rund 6,7 Millionen Euro. 90 Mitarbeiter hat die Betreibergesellschaft im Oktober 2016 beschäftigt, rund zwei Drittel davon waren Vollzeitkräfte.

Die UPD hält aktuell in 30 Städten Beratungsstellen vor. Zusätzlich würden mobile Beratungsstellen mehr als 100 weitere Städte anfahren, heißt es in der Antwort. 90 Prozent der Beratungen erfolgten telefonisch, 2,3 Prozent auf dem Postweg, weitere 3,9 Prozent über das Online-Portal oder per E-Mail. Nur zwei Prozent der Beratungen fanden im Vorjahr vor Ort statt, zusätzlich 1,7 Prozent in den UPD-Mobilen. Ratsuchenden ist nach dem Erstkontakt ein Termin nach 2,7 Tagen angeboten worden. Die Reaktionszeit auf eine E-Mail-Anfrage wird mit 29 Stunden angegeben.

Mehr als 72 Prozent der Beratungen haben rechtliche Fragen betroffen, rund 17 Prozent hatten einen medizinischen oder psychosozialen Hintergrund, sechs Prozent seien "allgemeiner" Art gewesen. 30 Prozent der Ratsuchen ist den Angaben zufolge älter als 65 Jahre gewesen. (fst)

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