Ärzte Zeitung online, 18.07.2017

Medizinalhanf

Kontrolle für BMG unverzichtbar

Die Verordnung von Medizinalhanf hat "Ausnahmecharakter". Deshalb prüfen die Kassen vorab.

BERLIN. Bei der Verordnung von Medizinalhanf geht kein Weg an einer Genehmigung durch die jeweilige Krankenkasse vorbei. Das hat BMG-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) auf Anfrage des Linken-Abgeordneten Frank Tempel klargestellt.

Mitte Januar hatte der Bundestag das Betäubungsmittelgesetz geändert. Seit März ist eine Verordnung von Medizinalhanf nach Paragraf 31 Absatz 6 SGB V möglich. Satz 1 definiert die Voraussetzungen für eine solche Therapie – unter anderem eine schwerwiegende Erkrankung und eine "nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome".

Mit dem Prüfvorbehalt beim Erstantrag "wird dem Ausnahmecharakter der Regelung Rechnung getragen", schreibt Widmann-Mauz. Denn die Erstattung der Kosten erfolge, obwohl keine arzneimittelrechtliche Zulassung vorliegt.

Das Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin (SCM) hat die Genehmigungspraxis der Kassen in einer Online-Umfrage beleuchten lassen, die nach eigenen Angaben nicht repräsentativ ist. Bislang sind 412 Fragebögen ausgewertet worden.

Danach wurden 93 Anträge positiv beschieden und 226 abgelehnt. Über 45 Anträge sei noch nicht beschieden worden, heißt es.

Vor der Rechtsänderung verfügten rund 1000 Patienten über eine Ausnahmegenehmigung für den Bezug zu Medizinalhanf. Nach Schätzungen des Deutschen Hanfverbands könnte sich ihre Zahl inzwischen verdoppelt haben. (fst)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »