Ärzte Zeitung online, 16.01.2018

Kongress

Innovative Versorgungskonzepte

Mit knappen Ressourcen effiziente Versorgung sichern – das ist Kernthema eines Kongresses zur vernetzten Gesundheit in Kiel.

KIEL. Der am Mittwoch in Kiel beginnende zweitägige Kongress "Vernetzte Gesundheit" stellt konkrete Versorgungsprojekte in den Mittelpunkt. Die vom Kieler Gesundheitsministerium organisierte Veranstaltung will zeigen, wie knappe personelle Ressourcen effektiv und sektorenübergreifend eingesetzt werden können.

"Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass Erkenntnisse in die Umsetzung gelangen und Fortschritte bei Ärzten, Pflegekräften und Patienten ankommen", sagte Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg in einer Vorab-Pressekonferenz zum Kongress. Garg ist an beiden Tagen an gesundheitspolitischen Diskussionen beteiligt.

Es wird aber auch gezeigt, wie die Versorgung im Alltag durch digitale Technik verbessert wird. Ein Beispiel ist die elektronische Visite (elVi) des Praxisnetzes im westfälischen Bünde, die AOK Nordwest, KV Schleswig-Holstein und Praxisnetz Herzogtum Lauenburg in den Norden holen.

Elektronische Visite im Test

Ab April sollen zunächst fünf Pflegeheime im Kreis Herzogtum Lauenburg – der Region mit dem höchsten Zuzug älterer Menschen im ganzen Norden – mit Laptop, Tablet und Kamera ausgestattet werden und Mitarbeiter geschult sein, damit Pflegekräfte vor Ort per elektronischer Visite ärztlichen Sachverstand einholen können.

Dabei können etwa Medikationsfragen geklärt, Therapievorschläge besprochen oder chronische Wunden beurteilt werden. Eine Ergänzung um die Erfassung und Übermittlung von Vitalparametern ist möglich.

Rund 1000 solcher elektronischen Visiten hat es bundesweit inzwischen gegeben, bislang arbeiten die Netze Medizin und Mehr (Bünde) und Köln-Süd damit. Wenn das Modell im Norden in der Evaluation überzeugt, können sich die Verantwortlichen eine Ausweitung auf andere Netze und Krankenkassen vorstellen. Der Aufwand für die Ärzte wird extrabudgetär honoriert.

Ein anderes Thema, das auf dem Kongress diskutiert wird, ist die noch nicht flächendeckend vorhandene Akzeptanz für digitale Lösungen im Gesundheitswesen. Zugleich bestehen in der Ärzteschaft und in weiten Teilen der Bevölkerung Bedenken, dass die Zahl der Ärzte im Zuge der Digitalisierung verringert wird.

Kampagne im Norden

Ärztekammer und Landfrauenverband Schleswig-Holstein stellen hierzu eine Kampagne vor, mit der im Norden seit 2016 erfolgreich über die Folgen der Digitalisierung im Gesundheitswesen aufgeklärt wird. "Telemedizin ist weit verbreiteter als von der breiten Öffentlichkeit bislang wahrgenommen", sagt etwa Schleswig-Holsteins Kammerpräsident Dr. Franz Bartmann.

Auch Hausärztechef Dr. Thomas Maurer hält Telemedizin für "unverzichtbar" und sieht mehr Chancen als Risiken. Klar ist für beide: "Telemedizin ersetzt keinen Arzt, kann aber dazu beitragen, die Versorgung dauerhaft gerade im ländlichen Raum zu erleichtern".

Über die Chancen informiert die Ärztekammer die insgesamt 33 000 Landfrauen im Norden wie berichtet seit 2016. 24 Ortsvereine haben die Verantwortlichen bereits besucht, sieben weitere folgen in diesem Jahr. Die Verlängerung ist ein Zeichen des Erfolges. (di)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wenn Komplementärmedizin für Krebskranke tödlich wird

Krebspatienten, die zusätzlich unbewiesene Heilverfahren nutzen, verschlechtern wohl ihre Überlebenschance. Die Erklärung ist nicht in der Komplementärmedizin selbst zu suchen. mehr »

KBV kämpft um Autonomie der Ärzte

Die im TSVG enthaltenen verpflichtenden Mindestsprechzeiten sind der KBV nach wie vor ein Dorn im Auge. Der Vorstand fordert nun die Regierung auf, diesen Passus zu streichen. Und das ist nicht der einzige Änderungsvorschlag. mehr »

Kurskorrektur in der Alzheimerforschung?

Offenbar entzieht sich das Gehirn bei Morbus Alzheimer dem Immunsystem. Checkpoint-Hemmer aus der Krebstherapie könnten dies verhindern. Bei Mäusen klappt das schon. mehr »