Ärzte Zeitung, 20.05.2011

Wichtig bei alten Menschen mit vielen Pillen: Präparate-Check

Kontrolle bei Polypharmazie reduziert Interaktionen

FRANKFURT/MAIN (ner). Polypharmazie ist gerade bei betagten Kranken häufig. Strukturiertes Vorgehen helfe dann, potenziell riskante Arzneimittel-Interaktionen zu vermeiden, so der Pharmakologe Professor Sebastian Harder aus Frankfurt am Main.

Hohe Priorität für Präparate-Check bei alten Patienten

Ein Hand voll Tabletten: Hier sollte der Arzt genau hinschauen.

© Klaro

Patienten berichteten Hausärzten ohne Nachfrage nicht immer, was sie zusätzlich in Apotheken kaufen oder was Fachärzte verschrieben haben.

Zu jedem Präparat sollte es eine valide Diagnose geben und die Dosis begründbar und nachvollziehbar sein, so Harder beim 4. Frankfurter Tag der Allgemeinmedizin.

Wichtig sei auch: Greift eine kausale Therapie überhaupt noch? Weniger ist manchmal mehr, auf die Symptomkontrolle kommt es an.

Auf Arzneimittel-Interaktionen können etwa die Entgleisung eines bislang stabilen Blutdrucks oder einer Herzinsuffizienz deuten sowie bisher nicht beobachtete unerwünschte Effekte.

Oft sind dann zum Beispiel NSAR im Spiel. Kombiniert mit ACE-Hemmern, AT1-Blockern oder Diuretika sei eine abgeschwächte Wirkung dieser Mittel möglich.

Die Kombi von NSAR oder ASS mit oralen Antikoagulantien erhöht das Blutungsrisiko, gleiches gilt für ASS plus NSAR. Paracetamol und Metamizol sind bei Schmerzen daher gute Alternativen.

Über "fundamentalistische Meinungen", weil natürlich auch diese Medikamente unerwünschte Effekte haben können, ist Harder "nicht glücklich". Vielmehr sei es etwa wichtig, dass Patienten darauf aufmerksam gemacht werden, dass Metamizol nicht regelhaft eingenommen werden darf.

Denn dessen toxische Wirkungen sind abhängig von der Dosis und der Therapiedauer. Allergische Nebenwirkungen sind selten. Kein Metamizol erhalten sollten Patienten mit hämatologischen Erkrankungen und Tumoren sowie mit Knochenmarksproblemen.

Bei Paracetamol gelte es, ausreichend hoch zu dosieren, so der Pharmakologe, also bis maximal viermal 1 g pro Tag. Aussagen von Patienten, damit hab man es schon erfolglos probiert, sollte dahingehend hinterfragt werden.

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