Ärzte Zeitung online, 23.02.2017
 

Studie

Pharmaindustrie hat unverändert schlechtes Image

Um das Image der Pharmaindustrie ist es in Deutschland weiterhin schlecht bestellt. Das deutsche Gesundheitswesen wird aber insgesamt äußerst positiv beurteilt, wie eine Umfrage ergab.

NEU-ISENBURG. Nach Ansicht von fast drei Vierteln der Deutschen (73 %) ist die Pharmabranche vor allem auf eigene Gewinne bedacht und wirtschaftet zu Lasten der Sozialkassen (2015: 76%; 2014: 74%). Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten "Healthcare-Barometer 2017" im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor. Dazu waren 1000 Bundesbürger befragt worden.

Danach wünschen sich 68 % der Bundesbürger von Arzneimittel-Herstellern, dass diese mehr auf innovative Forschung setzen, als auf die Entwicklung preisgünstiger Nachahmerprodukte. Nur 19 % glauben, dass es sich im Pharmabereich um Unternehmen handelt, die mit ihren innovativen Produkten Krankheiten heilen helfen, wie PwC mitteilt.

Kritik gab es zudem an den Ärzten. Diese nehmen sich nach Einschätzung der Befragten zu wenig Zeit für ihre Patienten. Das äußerten der Umfrage zufolge 41 % der gesetzlich Versicherten und 32 % der Privatversicherten.

Vor allem Jüngere unter 55 Jahren erwarteten außerdem, dass der Arzt ausreichend Zeit für sie vorhalte (45 %), so PwC. Bei der Gruppe der über 55-Jährigen seien es dagegen nur 33 %. Auch in den Vorjahresbefragungen war dies der Hauptgrund der Unzufriedenheit.

Dennoch: Mit seiner ärztlichen Behandlung insgesamt war bei den Privatpatienten jeder Zweite und bei den gesetzlich Versicherten jeder Dritte .

Hohe Zufriedenheit mit den Krankenkassen

Dagegen fällt die Beurteilung des deutschen Gesundheitswesens insgesamt äußerst positiv aus. So bestätigen der Umfrage zufolge vier von fünf Befragten (79 %), alle Leistungen für eine gute medizinische Versorgung zu erhalten. Dies sei umso bemerkenswerter, als nur 40 % eine private Zusatzversicherung abgeschlossen hätten, so PwC. 85 % seien auch mit den Leistungen ihrer Krankenkasse/Krankenversicherung zufrieden.

Die Versorgung in deutschen Kliniken schätzt etwa die Hälfte der Befragten (53 %) als gut ein. Nur ein Prozent hat sich laut PwC schon einmal einer Operation im Ausland unterzogen, wobei es sich vorwiegend um Zahnbehandlungen handelte. Als Grund dafür seien vor allem geringere Kosten genannt worden. 77 % der Befragten hätten bisher dagegen keine Notwendigkeit für eine Behandlung im Ausland gesehen.

Insgesamt zwei Drittel (64 %; +5 %-Punkte gegenüber Vorjahr) der Befragten zählten das deutsche Gesundheitssystem zu den Top-3 der Welt. (run)

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