Ärzte Zeitung online, 10.09.2019

Für geringverdienende Frauen

Kostenlose Verhütung gefordert

Viele Frauen mit nur wenig Geld können sich Verhütungsmittel wie Pille oder Spirale nicht leisten. Der Beratungsverein „profamilia“ fordert deshalb, dass die Kosten übernommen werden.

Von Thomas Hommel

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Ein Verhütungsmittel der Wahl ist für Geringverdienerinnen oft nicht erschwinglich, gibt der „pro familia“-Bundesverband zu bedenken.

© womue / Fotolia

BERLIN. Der Beratungsverein „pro familia“ hat den kostenfreien Zugang zu Verhütungsmitteln für Frauen mit nur geringem Einkommen gefordert.

Es brauche einen Rechtsanspruch auf Kostenübernahme ärztlich verordneter Verhütungsmittel, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands „pro familia“, Dörte Frank-Boegner, bei der Vorstellung der Ergebnisse des Modellprojekts „biko“ am Dienstag in Berlin.

Ohne den Zugang zu Verhütungsmitteln sei Familienplanung nicht möglich. Bei der Familienplanung handele es sich aber um ein Menschenrecht.

6100 Anfragen auf Kostenübernahme

Im Rahmen des im Oktober 2016 gestarteten Projekts „biko“ bekommen Frauen in insgesamt sieben deutschen Städten die Kosten für Verhütungsmittel erstattet, wenn sie zuvor einen Antrag stellen und sich beraten lassen. Voraussetzung ist, dass die Frauen älter als 22 Jahre sind und Sozialleistungen beziehen, oder aber ihr Einkommen unter der Armutsgrenze liegt.

Das Projekt wurde über eine Laufzeit von drei Jahren vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Ziel sei es, einen niedrigschwelligen Zugang zu sicheren, kostenpflichtigen Verhütungsmitteln für bedürftige Frauen zu ermöglichen, so Frank-Boegner.

Zudem sollten mit dem Projekt valide Daten gewonnen werden, um herauszufinden, wie groß der Bedarf einer bundesweiten Lösung für den kostenfreien Zugang zu Verhütungsmitteln sei. Den Angaben zufolge wurden im Rahmen von „biko“ mehr als 6100 Anfragen auf Kostenübernahme gestellt. Knapp 4500 davon wurden positiv beschieden.

Vergütung darf keine Frage des Geldbeutels sein

Die Parlamentarische Staatssekretärin im BMFSFJ, Caren Marks (SPD), sagte, Verhütung dürfe „keine Frage des Geldbeutels“ sein. De facto sei sie es aber. Viele Frauen mit geringem Einkommen stünden mitunter vor der Wahl: Schulranzen oder Spirale?

Andere wiederum versuchten, bei den Verhütungskosten einzusparen, indem sie die Pille „streckten“ und diese in größeren zeitlichen Abständen einnähmen. „Dann aber ist eine sichere Verhütung nicht mehr gewährleistet.“

In Deutschland sind hormonelle Verhütungsmittel wie Pille, Minipille oder Hormonspirale auf ein Arztrezept hin erhältlich. Sie müssen jedoch von den meisten Frauen selbst bezahlt werden. Bei Frauen unter 22 Jahren übernimmt seit März 2019 die Krankenkasse die Kosten.

Diverse Studien zeigten, dass Frauen ihr Verhütungsverhalten verändern, wenn sie die Kosten dafür nicht tragen könnten, sagte „pro familia“-Vorsitzende Frank-Boegner. Dies könne, obwohl den Frauen Verhütung wichtig sei, zu ungewollten Schwangerschaften führen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
(K)eine Frage des Geldbeutels

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