Ärzte Zeitung, 01.12.2015

HIV/Aids

Verunsicherung in der Arzneimittelversorgung

Entgegen den Erwartungen hat das AMNOG für Ärzte, die HIV-Infizierte und Hepatitis-C-Patienten versorgen, nicht unbedingt mehr Sicherheit gebracht.

BERLIN. Die Hoffnung, dass mit der frühen Nutzenbewertung von Innovationen und der darauf folgenden Vereinbarung über einen Erstattungspreis das Regressrisiko für Ärzte beseitigt wird, hat sich aus Sicht der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä) bislang noch nicht erfüllt.

Unsicherheit besteht vor allem darüber, ob der Erstattungsbetrag, der als Mischpreis für alle Subpopulationen gebildet worden ist, bei jeder Verordnung im Rahmen der zugelassenen Indikation als wirtschaftlich gilt. Das bestreitet vor allem der GKV-Spitzenverband - ärztliche Organisationen sehen das anders.

Nach Auffassung der dagnä, so deren Vorstandsmitglied Dr. Axel Baumgarten, sei das AMNOG vor allem als preisbildendes System gedacht, das zu wirtschaftlichen Erstattungsbeträgen führen soll. Der Schwarze Peter dürfe daher nicht mehr bei den Ärzten landen.

Eine klare Hierarchie gebe es in Strukturverträgen. Bis zum Beschluss des Bundesausschusses seien Leitlinien der Fachgesellschaft für den Einsatz von Innovationen maßgeblich, schlussendlich aber der GBA-Beschluss selbst.

Nicht abschließend geklärt sei aber, ob Ärzte ein Risiko bei der Verordnung von bewerteten Innovationen eingehen, wenn es kostengünstigere Therapiealternativen gebe, die aber keinen Zusatznutzen aufweisen.

Insgesamt sei die Situation der Wirtschaftlichkeitsprüfung unübersichtlich. Regional gebe es einen Flickenteppich von Modellen zur Ablösung von Richtgrößenprüfungen.

Tatsache sei, dass Ärzte, die hochpreisige Innovationen wie etwa Sofosbuvir verordnen, sofort auffällig werden. Inzwischen werde jede Sofosbuvir-Verordnung von den Kassen individuell geprüft.

Baumgarten spricht sich dafür aus, dass der Bundesausschuss bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen seine Nutzenbewertungs-Entscheidungen zügig novelliert.

Gegenwärtig kann ein Hersteller erst nach zwölf Monaten eine erneute Bewertung beantragen. Die Ärzte wollten keinen Freibrief zum Einsatz von Innovationen, angesichts der hohen Risiken müssten sie jedoch mehr Verordnungssicherheit haben. (HL)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall: Vorhofflimmern ist auch für das Gehirn gefährlich. Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind Nebenwirkungen, so eine Studie. mehr »

Gericht urteilt über Diesel-Fahrverbote

Müssen Städte die Feinstaub-Notbremse ziehen und Diesel-Fahrzeuge aus den Innenstädten verbannen? Bejaht das Bundesverwaltungsgericht dies, könnte auch die Gesundheitswirtschaft in die Bredouille kommen. mehr »

Bei Diabetes "nicht gleich mit Verboten kommen!"

Professor Hellmut Mehnert ist eine wahre Kapazität auf dem Gebiet der Diabetologie. Anlässlich seines 90. Geburtstags sprach die "Ärzte Zeitung" mit ihm über Patienten-Motivation, Defizite und neue Therapie-Optionen. mehr »