Ärzte Zeitung online, 14.02.2017
 

Antibiotika

Lieferengpässe durch Monopole?

Die Antibiotika-Apotheke der Welt ist Asien. Das kann Folgen für die Versorgung in Deutschland haben.

Von Anno Fricke

Antibiotika-Lieferfähigkeit hängt am seidenen Faden

Antibiotika-Lieferengpässe sind vor allem bei kritischen Infektionen gefürchtet.

© Zerbor / fotolia.com

BERLIN. Die Debatte über Engpässe bei wichtigen Antibiotika hält an. Denn dass Antibiotika knapp werden können, erleben die Versorger in Deutschland gerade. Nachdem im vergangenen Dezember in China eine Fabrik in die Luft geflogen war, kam es zu Lieferengpässen bei der Wirkstoffkombination Piperacillin/Tazobactam.

Mehr als 80 Prozent der antibiotischen Wirkstoffe werden ausweislich einer Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger außerhalb der Europäischen Union hergestellt, vornehmlich in China, Indien und der Mongolei. Der Verband Pro Generika hat daher zwei Studien zur Versorgungssicherheit bei Antibiotika in Auftrag gegeben. Ihre Ergebnisse wurden heute in Berlin vorgestellt.

Der Branchenverband Pro Generika hat auf deren Basis nun politische Konsequenzen gefordert. Die Rabattverträge zwischen Kassen und Herstellern sollten entfallen, sagte Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer am Dienstag in Berlin. Zumindest aber sollten stets mehrere Hersteller in die Verträge einbezogen werden.

Die Pflicht zur Mehrfachvergabe lasse sich in einem Halbsatz noch im Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz unterbringen, das derzeit im Bundestag beraten wird, sagte Bretthauer. 84 Prozent der von den Vertragsärzten verordneten Antibiotika und 87 Prozent der in den Krankenhäusern eingesetzten Antibiotika sind generisch, hat das Berliner IGES Institut ermittelt.

 Etwa ein Drittel der Rabattverträge seien jeweils nur mit einem Hersteller geschlossen worden. Mehrpartner-Modelle könnten die Unternehmensentscheidungen von global agierenden Arzneimittelherstellern nicht heilen, kommentierte der AOK-Bundesverband die Pro Generika-Forderungen. Hilfreicher seien die obligatorische Meldung von Lieferproblemen, mehr Transparenz über die Lagerbestände auf allen Distributionsstufen und die Ausweitung der Lagerbestände.

Deutschland solle den Aufbau einer eigenen Wirkstoffproduktion in Angriff nehmen, sagte Dr. Markus Leyck Dieken, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Pro Generika und Geschäftsführer von Teva ratiopharm, bei der Vorstellung der beiden Studien. Angesichts zunehmender Spannungen in der Welt solle die Politik sicherstellen, dass der Erste-Hilfe-Koffer in Europa stehe, sagte er weiter. Dafür solle der Pharmadialog wieder belebt werden.

 Eine lokale Produktion müsste der Staat subventionieren, die Krankenkassen müssten beim Einkauf lokale Produkte vorziehen und dementsprechend vergüten, sagte Morris Hosseini von Roland Berger. Zudem könnten so höhere Umwelt- und Sozialstandards bei der Herstellung durchgesetzt werden.

Wegen des hohen Bedarfs an parenteralen Lösungen wirkten sich Lieferengpässe bei Antibiotika im stationären Sektor stärker aus als bei den niedergelassenen Ärzten, sagte Dr. Martin Albrecht vom IGES Institut. Zudem sei der Verbrauch in den Krankenhäusern seit 2005 von 60 Millionen Tagesdosen auf 100 Millionen Tagesdosen deutlich stärker gestiegen als im ambulanten Sektor, wo sich der Verbrauch stabil um die 500 Millionen Tagesdosen im Jahr bewege.

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Risiko durch Monopole

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