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Ärzte Zeitung, 20.04.2017

Rheuma

Patienten müssen zu lange auf Erstkontakt warten

Die Zahl der Rheumatologen muss sich verdoppeln, sagt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Dafür müsse auch die Ausbildung reformiert werden.

Von Martina Merten

Patienten müssen zu lange auf Erstkontakt warten

Bis zum Erstkontakt mit einem internistischen Rheumatologen warteten Patienten fast ein ganzes Jahr.

© xalanx / fotolia.com

BERLIN. Eineinhalb Millionen Menschen in Deutschland leiden unter entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Sie werden von 776 internistischen Rheumatologen betreut. Das ist zu wenig, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). "Bei einem errechneten Mindestbedarf in der ambulanten Versorgung von 1350 in Vollzeit tätigen Rheumatologen ergibt das ein Defizit von 574 Fachkräften", unterstrich Professor Angela Zink am Mittwoch in Berlin.

Rheuma in Zahlen

» 1.500.000 Erwachsene leiden unter entzündlichrheumatischen Erkrankungen.

» 20.000 Kinder in Deutschland sind an Rheuma erkrankt.

» 776 internistische Rheumatologen arbeiten derzeit in Deutschland.

Die Folgen des ambulanten Versorgungsdefizits liegen nach Ansicht der Leiterin des Programmbereichs Epidemiologie und Klinik am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum der Charité auf der Hand: Bis zum Erstkontakt mit einem internistischen Rheumatologen warteten Patienten fast ein ganzes Jahr. Außerdem würden noch immer nicht alle Betroffenen flächendeckend versorgt, so Zink. Nur zwei Drittel aller von einer Rheumatoiden Arthritis Betroffenen würden durch einen Fachmann mitbetreut. Dabei, ergänzte DGRh-Präsident Professor Hanns-Martin Lorenz, sollten Patienten mit beginnenden Symptomen idealerweise zwei Wochen später einen Facharzt sehen. Nicht zuletzt fehlten auch in der akut-stationären Versorgung bis zu 400 Rheumatologen, im Reha-Bereich rund 80.

Um diese Situation zu ändern sei eine eigene Bedarfsplanung für internistische Rheumatologen notwendig, heißt es im Memorandum der DGRh zur Versorgungsqualität in der Rheumatologie – dem dritten Hintergrundpapier seit 1993, das die Fachärzte in Kürze auch für Gespräche mit Gesundheitspolitikern nutzen wollen. Ziel sei, eine Verhältniszahl von 2 bis 3 Rheumatologen auf 100.000 Einwohner zu erreichen. Darüber hinaus fordern sie, die Beschränkungen der Zahl abzurechnender Patienten und Leistungen für die Gruppe der internistischen Rheumatologen aufzuheben.

Neben diesen strukturellen Änderungen hält die Fachgesellschaft Änderungen an der Ausbildung für notwendig. Studierende haben derzeit 14 Vorlesungsstunden in Rheumatologie, sechs praktische Übungen in dem Bereich und sieben Stunden Übungen am Krankenbett. "Außerdem gibt es derzeit nur an sieben Fakultäten C4/W3-Lehrstühle für Rheumatologie mit einem internistischen Rheumatologen als Direktor", stellte DGRh-Präsident Lorenz klar. Auch das sei ein Grund für die zu geringe Anzahl an Fachärzten. Wichtig sei, an jedem Universitätsklinikum eine unabhängige internistisch-rheumatologische Einheit aufzubauen, die mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet sei.

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