Ärzte Zeitung online, 06.02.2018

Aus zwei mach eins

Flensburger Klinikprojekt mit Vorbildcharakter

Land, Stadt und zwei Träger planen in Flensburg gemeinsam den Neubau eines Zentralklinikums. Vieles ist noch zu klären, aber das Projekt kommt gut voran.

Von Dirk Schnack

Flensburger Klinikprojekt mit Vorbildcharakter

Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange, Klaus Deitmaring vom Malteser St. Franziskus Hospital und Martin Wilde vom Diakonissenkrankenhaus (v. l.) diskutieren über das geplante Zentralklinikum.

© Ove/Stadt Flensburg

FLENSBURG. Eines der ungewöhnlichsten Klinikprojekte in Deutschland ist auf den Weg gebracht: In Flensburg planen Land, Stadt und zwei Träger den Neubau eines Zentralklinikums. Bis zur möglichen Realisierung sind zwar noch viele Fragen offen, die Stimmung insgesamt ist aber positiv.

Dies zeigte ein "Klinikdialog" im voll besetzten Flensburger Rathaus, bei dem sich Vertreter des Gesundheitsministeriums, der Stadt und die Geschäftsführer der beiden derzeitigen Kliniken der Stadt, das Diakonissenkrankenhaus und das Malteser St. Franziskus Hospital, den Fragen der Bürger stellten. Auffällig war die Einigkeit, mit der die Beteiligten derzeit – zumindest öffentlich – an einem Strang für den gemeinsamen Neubau ziehen. Zu dieser Einigkeit war es erst gekommen, nachdem Flensburger Ärzte und Bürger die Verantwortlichen im vergangenen Jahr für die geplante Modernisierung der beiden bestehenden Krankenhäuser – mitten in der Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft – kritisiert hatten. Insbesondere Ärzte hatten damals die Chancen verdeutlicht, die die anstehende Modernisierung bietet: Nämlich die hohen Fördergelder besser in ein neues Zentralklinikum zu investieren.

Breite Akzeptanz

Damit würden zum Beispiel rund 5000 Patiententransporte zwischen den beiden Standorten entfallen und eine einheitliche EDV würde schnellere Prozesse ermöglichen. Dafür gibt es inzwischen breite Akzeptanz: Die Kommune hat ein Grundstück gefunden, die Planung für die Modernisierung der Bestandskliniken ist auf Eis gelegt und das Kieler Gesundheitsministerium unterstützt die Flensburger Bemühungen. Die beiden Geschäftsführer Klaus Deitmaring (St. Franziskus) und Martin Wilde (Diako) halten den Bezug eines Zentralklinikums ab dem Jahr 2025 unter einheitlicher Leitung mit einem einheitlichen EDV-System für möglich.

Für die erfolgte Annäherung und die ungewöhnlich zügige Planung gab es im zweiten Klinikdialog viel Lob. "Es wurde in acht Monaten etwas geschafft, was wir nicht erwartet hatten", sagte etwa ein früherer Chefarzt. Aber insbesondere Ärzte bohrten weiter nach. Auf ihre Nachfragen wurde deutlich, dass speziell die Frage der Trägerschaft weiterhin ungeklärt ist. Ob am Ende der evangelische und der katholische Träger das Zentralklinikum gemeinsam betreiben werden oder sich einer von ihnen ganz aus der Stadt zurückzieht, blieb offen.

Die Ärzte halten eine Trägerschaft aus einer Hand für die beste Lösung. Sie pochen auf einen Arbeitgeber für das Personal, auf einheitliche Bezahlung und ein Budget. Die derzeit demonstrierten Fortschritte, so befürchtete ein Arzt, könnten nur eine "Beruhigungspille" für die Kritiker der Doppelträgerschaft sein. "Es wurde schon etwas erreicht, aber wir dürfen uns davon nicht blenden lassen. Das ist alles nur auf Druck von außen passiert", gab der Klinikarzt zu bedenken. Er warnte zugleich vor dem Modell einer Holding, an der beide kirchlichen Träger beteiligt sind: "Das macht es schlimmer, als es je war." Ein niedergelassener Kollege äußerte Zweifel an der Fähigkeit der kirchlichen Träger, das erwünschte moderne Konzept umzusetzen.

Die Stadt will kein Träger sein

Seiner Forderung, die Stadt als Träger mit ins Boot zu holen, erteilte Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) aber eine Absage: "Ich kann vieles, aber nicht Krankenhaus." Sie stellte sich zugleich hinter die Träger: "Ich bin stolz auf unsere Krankenhäuser."

Neben Zweifeln gab es auch Verständnis, dass nach der überraschenden Kehrtwende im vergangenen Jahr Fragen der Trägerschaft noch nicht geklärt sind. Eine Pflegekraft unterstrich, dass nach ihrer Meinung beide Träger in die Stadt gehören und beide ihre jeweiligen Stärken in eine gemeinsame Holding einbringen sollten. Sie verwies auf ein gemeinsam betriebenes ökumenisches Hospiz in der Stadt, das als Vorbild für das Krankenhaus dienen könnte.

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