Ärzte Zeitung, 02.07.2008

KOMMENTAR

Ein Dach allein reicht für Folteropfer nicht

Von Ilse Schlingensiepen

Es ist richtig und wichtig, dass ein reiches Land wie Deutschland Menschen aufnimmt, die auf der Flucht vor Krieg, Folter und anderen Formen von Gewalt sind. Dabei reicht es aber nicht aus, den Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf und genug zum Überleben zu geben. Es muss auch sichergestellt werden, dass die körperlichen und psychischen Folgen ihrer leidvollen Erfahrungen behandelt werden.

Gerade bei Folteropfern und anderen traumatisierten Patienten ist das häufig nicht der Fall, beklagen Ärzte und Psychotherapeuten. Es ist noch nicht einmal so, dass ihnen die zuständigen Mitarbeiter böswillig die Hilfe verweigern. In vielen Fällen wird die Behandlungsnotwendigkeit gar nicht erkannt, denn die Strukturen und Abläufe in den Asylverfahren werden den besonderen Bedürfnissen dieser Gruppe nicht gerecht.

Das darf keine Entschuldigung sein. Verbesserungen wie die Arbeit der Behörden mit qualifizierten Gutachtern, die erkennen können, dass ein Mensch traumatisiert ist und behandelt werden muss, sind machbar - aber offenbar nicht gewünscht.

Niedergelassene Ärzte können einen wichtigen Teil dazu beitragen, dass Opfer von Folter und anderen Formen von Gewalt mit den Folgen nicht allein bleiben. Wenn sie Patienten mit Flüchtlingshintergrund behandeln, sollten die Ärzte nach Hinweisen auf post-traumatische Störungen achten und die Patienten an Stellen verweisen, die qualifizierte Hilfe anbieten.

Lesen Sie dazu auch:
Folteropfer oft ohne Behandlung

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