Ärzte Zeitung, 15.09.2008

Immer mehr Gebärende erhalten Regionalanästhesie

Umfrage bei geburtshilflichen Abteilungen / Bei fast jedem fünften Baby setzen Frauen auf Schmerzlinderung

BERGISCH-GLADBACH (ras). 98 Prozent aller geburtshilflichen Abteilungen in Deutschland bieten derzeit die rückenmarksnahe Regionalanästhesie zur Linderung des Geburtsschmerzes an.

1996 dagegen waren es erst 89 Prozent gewesen. Das hat eine Umfrage ergeben, die in der Zeitschrift "Der Schmerz", dem offiziellen Organ der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), veröffentlicht worden ist.

Fast jedes fünfte Baby (17,5 Prozent) kommt heute vaginal unter einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie (etwa als Periduralanalgesie) auf die Welt. In Großstädten und Ballungsräumen liegt die Rate sogar bei über einem Viertel. Ursache dafür ist offenbar der starke Konkurrenzdruck zwischen den Krankenhäusern, vermuten die Autoren der Studie.

Sie werteten Fragebögen aus 397 Kliniken aus, in denen im Befragungszeitraum 297 212 Entbindungen - 41,3 Prozent aller Geburten in Deutschland - stattgefunden hatten. Von den erfassten Entbindungen verliefen 69,4 Prozent spontan vaginal. In 4,4 Prozent kam die Saugglocke zum Einsatz, in 1,6 Prozent waren es Zangengeburten. 22,2 Prozent der Entbindungen in Deutschland erfolgen inzwischen als Kaiserschnitt, bei dem ebenfalls regionale Narkoseverfahren bevorzugt werden. Außer der Periduralanalgesie wurden häufig auch systemische Schmerzmittel gegen Wehenschmerz eingesetzt. Drei von vier Kliniken setzen zusätzlich Akupunktur als begleitendes Verfahren zur Schmerzlinderung ein.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (17772)
Gynäkologie (5559)
Organisationen
DGSS (79)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Bei der Gründung eines Ärztezentrums kann es zugehen wie bei "Dallas"

Neid und Missgunst haben schon manche Versuche torpediert, in der Provinz ein Ärztezentrum zu etablieren. Ärzte in Schleswig-Holstein berichten, wie man verhindert, dass Kirchturmdenken siegt. mehr »

Macht Kaffee impotent?

Kaffee werden günstige Effekte auf die Gesundheit nachgesagt. Eine Studie hat untersucht, was das belebende Getränk für Männer – und besonders deren Potenz – bedeutet. mehr »