Ärzte Zeitung, 05.05.2009

Betriebsräte von Kliniken fordern mehr Kooperationen

Viele Häuser im Rhein-Main-Gebiet haben wirtschaftliche Problemen / Sorge vor Verkauf an private Träger

FRANKFURT/MAIN (ine). Die Betriebsräte der kommunalen Kliniken im Rhein-Main-Gebiet und die Gewerkschaft verdi sind für mehr Kooperationen. Wirtschaftsprüfer sollen herausfinden, wie viel Geld die Kliniken dadurch sparen können. Am 15. Mai soll das Gutachten vorliegen.

Georg Schulze-Ziehaus von verdi fordert einen regionalen Klinikverbund, um die Kliniken wettbewerbsfähig zu machen. Die Diskussion sei "keine Eintagsfliege", sagte er der "Ärzte Zeitung". Hintergrund ist die angespannte wirtschaftliche Situation der Häuser im Rhein-Main-Gebiet. Viele Kliniken schrieben rote Zahlen oder hätten kein Geld für notwendige Investitionen.

In Darmstadt liegt beispielsweise das Defizit pro Jahr im Schnitt bei vier Millionen Euro. Beim Offenbacher Klinikum, ebenfalls ein Haus der Maximalversorgung, lag das Defizit 2007 bei 2,7 Millionen Euro. Die Betriebs- und Personalräte und verdi befürchten eine neue Welle des Verkaufs der kommunalen Kliniken in Hanau, Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach und des Gesundheitszentrums Wetterau an private Klinikkonzerne. Damit Kliniken nicht zum Spielball von Konzerninteressen werden, fordern sie die Träger auf, Strukturen für eine enge Kooperation zu schaffen.

Das Problem sei, so Schulze-Ziehaus, dass eine solch enge Zusammenarbeit in den Kommunalverfassungen nicht vorgesehen ist. "Bisher arbeitet jeder für sich." Dadurch hätten die Kliniken jedoch einen klaren Wettbewerbsnachteil gegenüber privaten Konzernen. "Kommunale Kliniken sind nicht ausreichend vernetzt und haben oft auch ihre Leistungsangebote nicht untereinander abgestimmt."

Die Wirtschaftsprüfer von der BDO Deutsche Treuhand wurden deshalb von verdi beauftragt, zu prüfen, ob es Synergieeffekte gibt, und wenn ja, in welcher Höhe. "Das ist heikel", gibt der verdi-Mitarbeiter zu. Stünden Synergieeffekte doch oftmals für Arbeitsplatzabbau. Die Sicherung der Arbeitsplätze müsse deshalb an erster Stelle stehen.

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